62. DOK Leipzig: „Space Dogs“ von Elsa Kremser und Levin Peter


Alles eine Frage der Perspektive… und die ist in „Space Dogs“ von Elsa Kremser und Levin Peter ebenso speziell wie interessant. Foto: RAUMZEITFILM

Space Odyssee

Laika, das erste Lebewesen, das 1957 von der Sowjetunion ins Weltall katapultiert wurde, lebt – und zwar als Geist auf den Straßen Moskaus. Er streift als Straßenhündin mit einem vierbeinigen Kumpan durch dunkle Gassen, frisst aus Mülltonnen, trinkt aus Pfützen, jagt Katzen und beobachtet still, wie Menschen in Bars ihre triste Realität wegsaufen.

Was wie ein Märchen klingt, das man Kindern vor dem Schlafengehen vorliest, ist in „Space Dogs“ der dramaturgische Rahmen. Elsa Kremsers und Levin Peters gemeinsames Regie-Debüt, das als Publikumsrenner auf dem diesjährigen 62. DOK Leipzig lief und auf dem 72. Filmfestival Locarno gezeigt wurde, traut sich aus der Perspektive zweier Straßenhunde den Menschen als fokussierte Figur aus dem Film zu klammern. Falls Menschen im Bild erscheinen, trippeln sie als Beine durch den Kameraausschnitt, grölen betrunken aus dem Off durch die verlassene Peripherie Moskaus oder hinterlassen Müllberge, Autos auf Parkplätzen oder leerstehende Fabrikhallen. Parallel zum Erzählstrang des heutigen Moskaus montieren Kremser und Peter schwarz-weiße – bislang unveröffentlichte – sowjetische Archivaufnahmen von Hunden aus der Raumfahrtära, die für menschliche Experimente für die Reise ins Weltall trainiert werden.

Space Dogs“ eigenwillige, aber originelle Handschrift fußt auf einer losen Dramaturgie, die aus der Perspektive Laikas gekonnt mal diese Fährte, mal jene Fährte verfolgt und die Zeit stillstehen lässt, wenn die Kamera mitunter zeigt, wie nichts passiert. Offen für alles, schnüffelnd, neugierig, mal vertraut, mal aggressiv, streunert die Kamera Laika nach. Dem Film gelingt es – durch den Anspruch während des Drehs die Hunde in ihren Handlungen nicht zu manipulieren – eine faszinierende Unmittelbarkeit und Spontaneität zu generieren, die echtes Leben präsentiert. Die Haltung, die Hunde nicht in eine Narration zu pressen, sondern sie selbst zu Geschichtenerzählern zu machen, ist unverbraucht und mutig. Der pirschende schnüffelnde Film „Space Dogs“ zeigt uns somit eine Welt, die sich aktuell von vielen komplex erzählten Dokumentationen abhebt. Genau dieser Ansatz macht ihn absolut empfehlenswert.

Seite: 1 2

18. November 2019 | In Allgemein

Schlagwörter: , , , , , , , , , , , , , , ,