“Das Ende ist erst der Anfang” (OT: “Les premiers, les derniers”) von Bouli Lanners


Les premiers, les derniers” weist viele Anspielungen an theologische Motive auf, was bereits mit dem Titel anfängt. In der Bibel heißt es: “Die letzten werden die ersten sein”, wenn es zum Jüngsten Gericht kommt und die Plätze im Himmel verteilt werden. Mit den letzten meint der Film die Schwächeren und bezieht sich auf Esther und Willy. Auf Erden werden sie vielleicht verachtet oder misshandelt, im Reich Gottes finden sie ihren Frieden. Das Prinzip von Schuld und Sühne bestimmt die erzählte Geschichte. Die Bösen verlieren, die Guten gewinnen. Jesus in Person hat im Film seinen Auftritt als schmächtiger, bärtiger Obdachloser. Er steht den Schwachen zur Seite.

Lanners vereinigt in seinem Film sehr charismatische Schauspieler bis in die Nebenrollen hinein. Max von Sydow und Michael Longsdale spielen zwei liebenswürdige Greise, Lionel Abelanski einen rückgratlosen Lagerhauswart. Sich treu bleibend entwickelt Lanners präzise Dialoge mit trockenem Humor. Die sentimentale Ebene bleibt wie in seinen früheren Filmen (“Eldorado“, 2008; “Les géants“, 2011) weitgehend auf ein Minimum reduziert, wobei er in “Les premiers, les derniers” erstmals mit parallelen Handlungssträngen und mehreren Protagonisten arbeitet. Hier liegt auch die Schwäche des Films, da die Inszenierung beider Hauptfigurenpaare den Film etwas unausgeglichen wirken lässt. Insgesamt bietet Lanners, abseits des rein Inhaltlichen, sorgfältig und mit ästhetischem Gespür eingefangene Bilder, die “Les premiers, les derniers” auf jeden Fall sehenswert machen.

Les premiers, les derniers” gewann an der 66. Berlinale in der Sektion Panorama den Preis der Ökumenischen Jury.

Teresa Vena

Les premiers, les derniers“, Regie: Bouli Lanners, Darsteller: Albert Dupontel, Bouli Lanners, Suzanne Clément, Michael Longsdale, Max von Sydow, Lionel Abelanski, David Murgia, Aurore Broutin, Start: 11. Mai 2017

 

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