„T2 – Trainspotting“ von Danny Boyle


Als Renton wieder auf den Plan tritt, freut sich erst einmal nur Spud, dessen Selbstmordversuch er in letzter Minute vereitelt. Simon zerlegt zur Begrüßung zunächst einmal die Inneneinrichtung seines Pubs und Begbie sinnt auf tödliche Rache. Als Mark, der in Amsterdam seinen Job verloren hat, dessen Ehe vor dem Aus steht und der eigentlich nichts zu verlieren hat, sich von Simon schließlich überreden lässt, in dessen „Sauna“-Bordellprojekt mit einzusteigen, beginnt ein rauschhafter Trip durch die gentrifizierten Nächte Edinburghs, mit Exkursionen in konservative Royalistenpubs und auf Hipster-Motto-Parties. Das Ganze wird getragen von einem Soundtrack, der neben jüngerem schottischen Hip Hop der „Young Fathers“ auch geremixte Klassiker von Iggy Pop oder das psychedelische „Born Slippy“ von Underworld motivisch wieder aufgreift.

„T2 – Trainspotting“ ist ein Schwelgen in alten Erinnerungen, immer wieder zitiert der Film seinen Vorgänger, zeigt Ausschnitte daraus und Rückblenden in die Kindheit der Truppe. „You’re a tourist in your own past“, er sei ein Tourist in seiner eigenen Vergangenheit, sagt Simon zu Mark. Einer Vergangenheit, der Spud, motiviert von Simons Freundin Veronika und auf der Suche nach einer Alternative zur Sucht mit seinen aufgeschriebenen Erinnerungen ein Denkmal zu setzen versucht. Setzte „Trainspotting“ eher beiläufig der Stadt ein Denkmal, so tut es Danny Boyle im zweiten Teil ganz bewusst. Dabei kontrastiert er die verwinkelten Straßen der Altstadt mit den trostlosen Hochhaussiedlungen aus den Randgebieten und dem fantastischen Bergpanorama von „Arthur’s Seat“ vor den Toren der Stadt.

„T2 – Trainspotting“ steigt unheimlich stark ein, bietet eine erwartbare aber im Vergleich zum Vorgänger relativ brav gewordene Portion an Geschmacklosigkeit in Form jeder Menge Kotze, schnelle und witzige Dialoge, die nichts von ihrem rauhen Charme verloren haben – und dennoch weist der Film ab der Mitte einige Längen auf. Die vier Männer sind ein wenig in die Jahre gekommen, nutzen fast ausschließlich ihre bürgerlichen Namen, sind im Großen und Ganzen ziemlich enttäuscht vom Leben und der verratenen Freundschaft. Um an das große Geld zu kommen, werden keine Drogen mehr vertickt, sondern ein Antrag für eine EU-Förderung gestellt. Ist das vielleicht als kleiner, aber feiner Seitenhieb auf die jüngere britische Brexit-Politk zu verstehen? Veronika, die so genannte Freundin von Simon – die natürlich schon längst mit Mark Renton ins Bett geht – bringt es gleich zu Beginn auf den Punkt: „Nostalgia. – That’s why you’re here.“ Und Nostalgie, das ist wahrscheinlich auch der Hauptgrund, warum wir hier sind, im Kinosessel.

Aus „Choose Life“, dem ironischen Mantra der Junkies von einst, wurde „Choose Facebook, Twitter, Instagram and hope that someone, somewhere cares.“ Wähl Facebook, Twitter, Instagram und hoff darauf, dass es irgendjemanden irgendwo interessiert.
Social Media als das Heroin der Gegenwart.

Tatiana Braun

T2 – Trainspotting„, Regie: Danny Boyle. Darsteller: Ewan McGregor, Ewen Bremner, Jonny Lee Miller, Robert Carlyle, Kelly Macdonald, Shirley Henderson, Anjela Nedyalkova. Kinostart: 16.02.2017

Am DO, den 3. Juni um 21.45 Uhr im Freiluftkino Insel! Gästelistenplätze auf der nächsten Seite gewinnen!

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