“Körper und Seele” (OT: “Testről és lélekről”/ ENG: “On Body and Soul”) von Ildikó Enyedi – Goldener Bär


Nach ihrem vor 28 Jahren in Cannes euphorisch gefeierten und preisgekrönten Debüt “Mein 20. Jahrhundert” (hier der Trailer) meldet sich Drehbuchautorin und Regisseurin Ildikó Enyedi nun nach langer Abwesenheit auf der Leinwand zurück. Kontraste und deren Kompatibilität sind das große Thema ihres neuen Werkes. Mensch und Tier stehen einander gegenüber, in Gefühlen, ihrem Blut und ihren Verletzungen. In stoischer Ruhe und Deutlichkeit beobachtet die Kamera (Máté Herbai) beispielsweise wie im Schlachthof die Köpfe von den Tieren getrennt werden und sich Maria an anderer Stelle den Arm aufschneidet. Die Hände in diesem Film arbeiten präzise, packen zu und zerlegen. Daneben bewegt sich Maria schon fast symbolträchtig betäubt durch ihren Alltag und auch Endre ist mit seinem gelähmten Arm gewissermaßen nur halb gefühlsvollständig. Jeder auf seine Art lädiert und doch zusammen komplementär. Ihre Körper brauchen eine Weile, um sich fühlen zu können und Berührungen zuzulassen. Erst als Träumer finden sie zueiander und errichten sich in ihrem blutigen und sexistischen Umfeld ihre ganz eigene Oase.

Enyedis “On Body and Soul” ist im Grunde eine Liebesgeschichte mit klassischen Fallstricken, welches die ungarische Regisseurin mit ihrem Setting, all den Kontrasten, ihren Subtexten und bildhaften Kommentaren in pure Poesie überführt.
Die Internationale Jury der Berlinale vermachte ihr deshalb den Goldenen Bären 2017 für den Besten Film im Wettbewerb.

SuT

Körper und Seele” (OT: “Testről és lélekről“; ENG: “On Body and Soul“), Regie: Ildikó Enyedi, DarstellerInnen: Alexandra Borbély, Géza Morcsányi, Réka Tenki, Zoltán Schneider, Ervin Nagy, Itala Békés, Éva Bata, Pál Mácsai, Zsuzsa Járó, Nóra Rainer-Micsinyei

On Body and Soul” gewann auf den 67. Internationalen Filmfestspielen Berlins den Goldenen Bären für den Besten Film.

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