67. Berlinale: “Tiere” von Greg Zglinski


Das Spiel mit dem Zuschauer ist das zentrale Ziel von “Tiere“, der locker leicht zwischen Mystery, Komödie und Drama changiert und dabei dem Publikum meisterhaft das Fürchten und Lachen lehrt. Zglinski (und vor allem der im letzten Jahr gestorbene Drehbuchautor Jörg Kalt) erschwert damit natürlich bewusst die Lesbarkeit des Filmes, aber er tut dies so lustvoll, dass einem die schlussendliche Pointe des Films nicht als bloßer handwerklicher Kniff erscheint. Wenn Anna in der Küche sagt, dass sie Nick verlassen wird, und Nick – als würde er sie akustisch prima verstehen – lächelnd dreimal wiederholt, dass er jetzt die Tür öffnen wird – dann lacht man schallend mit und gruselt sich dann gleich sofort wieder, weil beide in der gleichen Nacht davon träumen, den jeweils anderen umzubringen.

Wer gern in Symbolen große Botschaften liest, der wird mit “Tiere” sicherlich nicht glücklich, für alle anderen ist Zglinskis absurder Ritt in die Untiefen einer partnerschaftlichen Beziehung – oder vielmehr: in die Untiefen der Zuschauererwartung – und ein wunderbar anregendes Denk- und Schauerlebnis.

Marie Ketzscher

Tiere“, Regie: Greg Zglinski, DarstellerInnen: Birgit Minichmayr, Philipp Hochmair, Mona Petri, Mehdi Nebbou, Michael Ostrowski

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22. Februar 2017 | In Allgemein | Keine Kommentare »

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