„An Elephant Sitting Still“ von Hu Bo


"An Elephant Sitting Still" von Hu Bo überzeugte im Berlinale Forum 2018! Im Bild (v.l.n.r.) Wang Yuwen, Liu Congxi, Zhang Yu und Peng Yuchang. Foto: Berlinale

„An Elephant Sitting Still“ von Hu Bo überzeugte im Berlinale Forum 2018! Im Bild (v.l.n.r.) Wang Yuwen, Liu Congxi, Zhang Yu und Peng Yuchang. Foto: Berlinale

Die Generation Egoismus

Für besondere Aufmerksamkeit sorgte im Programm des diesjährigen Forums der Berlinale ein gleichwohl intensiv berührendes als auch künstlerisch bemerkenswertes Werk eines jungen Regisseurs aus China. „An Elephant Sitting Still“ heißt der erste Langspielfilm von Hu Bo – und er wird zugleich der letzte bleiben, denn im Oktober 2017 nahm sich der damals 29-Jährige das Leben. Auch ohne dass man sich dieser Tatsache bewusst wäre, stellt sich ab den ersten Minuten eine umhüllend schwermütige Stimmung ein. Eine tragende, männliche Stimme außerhalb des Bildes erzählt von einem Elefanten im Zoo von Manzhouli, der für Stunden einfach nur dasitzt, unbeeindruckt von den Ereignissen um ihn herum. Diese Vorstellung wird zur fixen Idee für die Protagonisten des Filmes, die alle auf ihre Weise innerhalb der Gesellschaft und im engeren Umfeld marginalisiert werden.

Regisseur Hu Bo entwirft anhand der Geschichte von vier Individuen, die sich in Alter, Geschlecht und sozialem Status unterscheiden, ein düsteres Bild der modernen chinesischen Realität außerhalb der urbanen Zentren. Ein Junge lebt mit seiner Mutter und seinem cholerischen Ziehvater, der ihn verbal ständig erniedrigt und sich im Wesentlichen wünscht, dass er zu seiner Großmutter zieht. In der Schule ist er das Opfer von Schikanen seitens anderer Mitschüler. Es kommt zu einer Auseinandersetzung, bei der der Anführer der Schulgang die Treppe herunterfällt, worauf er die Flucht ergreift. Ein Endzwanzigjähriger hat ein Verhältnis mit der Frau seines besten Freundes. Als dieser davon erfährt und die beiden erwischt, springt er einem Impuls folgend aus dem Fenster und stirbt. Ein junges Mädchen lebt mit seiner alleinerziehenden Mutter und Partykönigin zusammen, die sich nicht für ihre Tochter interessiert. Deswegen sucht die Tochter Zuwendung bei ihrem Schuldirektor, der ihr Geschenke macht und sie zum Essen ausführt. Ein älterer Mann lebt unter einem Dach mit seinem Sohn, seiner Schwiegertochter und Enkelin. Weil das Kind in eine gute Schule soll, will die jüngere Generation in eine andere Gegend umziehen und erwartet vom Großvater, dass er sich mit dem Verkauf seiner Wohnung und seinem Umzug in ein Altenheim einverstanden erklärt. Die Wege der vier Personen kreuzen sich im weiteren Verlauf.

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