69. Berlinale: „Der Boden unter den Füßen“ von Marie Kreutzer


Regisseurin Marie Kreutzer lotet in „Der Boden unter den Füßen“ im
Wettbewerb die Grenzen der Leistungsgesellschaft aus. Im Bild: Valerie Pachner und Marie Seiser. © Juhani Zebra / Novotnyfilm

Auf Sand gebaut

Die österreichische Filmemacherin Marie Kreutzer zeichnet in ihrem neuen Spielfilm ein nüchternes Porträt mehrerer Frauen, die alle in einem modernen, von Wettbewerbsdruck geprägten sozialen Konstrukt gefangen sind.

Der diesjährige Wettbewerb der Berlinale gibt mit Marie Kreutzers Sozialdrama und der Erzählung einer persönlichen Leidensgeschichte einer starken weiblichen Präsenz Raum. „Der Boden unter den Füßen“ porträtiert Lola (Valerie Pachner), eine junge und ehrgeizige Frau, die als Unternehmensberaterin auf hohem Niveau und viele Stunden arbeitet. Ihre Wohnung in Wien ist kaum bewohnt, da sie oft unterwegs ist und daher die meiste Zeit in Hotels verbringt. Ihre Arbeitsroutine ist voll von Statistiken und dem zuvorkommenden Umgang mit Kunden, meist Männern, denen sie eine perfekte Fassade präsentiert. Ihre einzige intime Beziehung scheint die Affäre mit ihrer Vorgesetzten Elise (Mavie Hörbiger) zu sein, einer weiteren ach so makellosen, attraktiven und dynamischen Geschäftsfrau.

Als Lola eines Morgens von einer Wiener Psychiatrie angerufen wird und erfährt, dass ihre ältere Schwester eingeliefert wurde, beginnt der Boden unter ihren Füßen buchstäblich zu wackeln. Im Laufe der Geschichte merkt der Zuschauer, dass bereits ein viel kleineres Ereignis dazu hätte führen können, da Lolas psychologisches Gerüst auf sehr instabilem Fundament aufgebaut ist. Ihre größte Angst besteht darin, dass die Schizophrenie ihrer Schwester Conny (Pia Hierzegger) vererbbar sein könnte und damit auch sie betrifft. Noch mehr verängstigt sie die Möglichkeit, dass andere sie dafür verurteilen und von einer Unzulänglichkeit ihrerseits ausgehen könnten.

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