„Di jiu tian chang“ (engl. Titel: „So long, my son“) von Wang Xiaoshuai – Silberner Bär der 69. Berlinale für den Besten Darsteller und für die beste Darstellerin



Beim chinesischen Berlinale-Wettbewerbsbeitrag „So Long, My Son“ von Wang Xiaoshuai begeisterten die Hauptdarsteller Yong Mei (links) und Wang Jingchun Publikum und Jury gleichermaßen. Beide gewannen Silberne Bären für ihre Leistungen. © Li Tienan / Dongchun Films

Das eigene Schicksal in fremder Hand

Als einer von ursprünglich zwei vorgesehenen Filmen repräsentierte „Di jiu tian chang“ das Reich der Mitte im Wettbewerb der Berlinale. Während „Yi miao zhong“ (engl. Titel „One second„) des chinesischen Regisseurs Zhang Yimou kurz vor der Uraufführung zurückgezogen wurde – offiziell aus technischen Problemen in der Postproduktion, vermutet wird aber eine staatliche Zensur -, eroberte Wang Xiaoshuais dreistündige Familiensaga die Leinwand. In den verliehenen Preisen spiegelt sich die Bedeutung des Films nur nebensächlich wider. Zu Recht wurde die außergewöhnliche schauspielerische Leistung der Hauptdarsteller gewürdigt.

Der Film erzählt über eine Zeitspanne von dreißig Jahren hinweg beginnend ungefähr Mitte bis Ende der 1970er Jahren die Geschichte von zwei Ehepaaren, ihren Kindern und engen Freunden. Sie durchlaufen gemeinsam die Geschichte des eigenen Staates und seine politischen Veränderungen, wodurch ihr Schicksal maßgeblich geformt und besiegelt wurde. Die Protagonisten kennen sich alle aus der Fabrik, in der sie arbeiten. Yaojun und seine Frau Liyun bekommen genau zur gleichen Zeit einen Sohn wie ihre besten Freunde. Die beiden Kinder wachsen wie Brüder auf. Bei einem unglücklichen Unfall stirbt aber Yaojun und Liyuns Sohn Xingxing. Von diesem Vorfall werden sich die beiden nie wieder erholen. Da der Sohn des anderen Paares in einer gewissen Art darin verwickelt wird, leben auch dessen Eltern fortan ein Leben lang mit erdrückenden Schuldgefühlen.

In „So long, my son“ geht es aber nicht um Verbitterung, sondern um einen persönlichen Schmerz, der seine Zeit braucht, um zu vernarben. Es geht um Freundschaft, Loyalität und um die Liebe zwischen Eltern und Kindern. Der Film vertritt ein erweitertes Verständnis von Familie, das es erlaubt, auch Nichtblutsverwandte zu seiner Familie zu zählen. Er erzählt von Menschen, die zu bedingungsloser Liebe fähig sind und zum Teil auch, wenn sie sich über eine lange Zeit nicht gesehen haben, aber vor allem zu Menschen, die sie verletzt haben oder mit denen sie schwierige Zeiten erlebt haben.

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