69. Berlinale: „Gli ultimi a vederli vivere“ (engl. Titel „The Last to See Them“) von Sara Summa



Durch die Augen jedes der Charaktere werden die Ereignisse jeweils aus einer anderen Perspektive wiederholt, zum Teil erscheinen ein paar neue Details und führen die Geschichte weiter. Diese Form ist interessant und macht die Stärke des Films aus, dem sonst ein markantes Gesamtbild fehlt. Mit minimalistischen Mitteln setzt die Regisseurin eine Ästhetik um, die an das Theater erinnert. Wie auf einer Bühne rezitieren die Schauspieler ihre Zeilen, die sehr unnatürlich wirken. Dies wird durch die Entscheidung verstärkt, sie nicht den süditalienischen Dialekt sprechen zu lassen, den sie im wirklichen Leben gesprochen hätten und der an dem gewählten Ort der Geschichte üblich gewesen wäre. Die Schauspieler fühlen sich offensichtlich nicht wohl dabei. Dies provoziert ein Gefühl der Entfremdung und schafft eine Distanz zwischen dem Zuschauer und den Protagonisten. Es ist möglich, dass dies mit der Absicht der Regisseurin übereinstimmt, aber wenn ja, offenbart sich die Bedeutung dessen nicht.

Das Schicksal der dargestellten Familie basiert auf einer wahren Geschichte aus dem Jahr 2012. Am Vorabend der Hochzeit wurde die Familie Durati ermordet aufgefunden, ohne dass die Gründe dafür bekannt wurden, eine Verbindung zur Mafia wurde angenommen.
Gli ultimi a vederli vivere“ bietet eine andere Art von Mafia-Film, der auf turbulente Actionszenen, Waffen und Blutbäder verzichtet. Regisseurin Summa entscheidet sich für eine statische Kamera, eine klare Bildkomposition und verwebt die gespielten Szenen mit weiten, kargen, aber beeindruckenden Landschaftsaufnahmen. Das meist helle Licht, das die Bilder dominiert, steht im Gegensatz zum Schicksal der Protagonisten.

Teresa Vena

Gli ultimi a vederli vivere„, Regie: Sara Summa; DarstellerInnen: Barbara Verrastro, Donatella Viola, Pasquale Lioi, Canio Lancellotti.

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