69. Berlinale: „Systemsprenger“ von Nora Fingscheidt – Silberner Bär


In Nora Fingscheidts „Systemsprenger“ rebelliert Benni (Helena Zengel) gegen verschiedene Hilfen, die Kinder schützen sollen – und fällt tatsächlich durch diese Raster. © Peter Hartwig / kineo / Weydemann Bros. / Yunus Roy Imer

Das System sprengen

Nora Fingscheidts erster Spielfilm, der als einer von vier deutschsprachigen Filmen im Wettbewerb der 69. Berlinale präsentiert wird, setzt die Messlatte sehr hoch und bietet einen starken Film in Form und Inhalt.

Systemsprenger“ der jungen deutschen Filmemacherin Nora Fingscheidt feiert seine Weltpremiere auf der Berlinale und bietet ein sehr relevantes Sozialdrama, perfekt fotografiert und mit einem intelligenten, authentischen und überzeugenden Drehbuch. Es wurde bereits im Dezember in Les Arcs mit dem Works in Progress Award ausgezeichnet und ist ein vielversprechender Kandidat für den Goldenen Bären. So wie in ihrem ebenso exzellenten Dokumentarfilm „Ohne diese Welt“ (Gewinner des Max Ophüls Preises 2017) über eine kleine Mennonitenkolonie, die ein zurückgezogenes und archaisches Leben irgendwo in Argentinien führt, fängt Fingscheidt ihre Figuren mit Feingefühl ein, ohne sie zu verurteilen und ihre Würde zu verletzen.

Benni (Helena Zengel) ist ein 9-jähriges wildes Mädchen mit einem Trauma, das Panikattacken verursacht und regelmäßig zu heftigen Aggressionen gegen sich selbst und andere führt. Da ihre alleinerziehende Mutter, die sich um ihre beiden jüngeren Geschwister kümmern muss, nicht in der Lage ist, mit ihr fertigzuwerden, ist die staatliche Kinderbetreuung für sie zuständig und versucht, eine günstige Umgebung für sie zu finden. Zwischen Pflegeeltern, verschiedenen Heimen und Krankenhausaufenthalten kommt keine dauerhafte Lösung zustande. Für die Psychiatrie ist sie zu jung, und das Lager in Kenia scheint zu gewagt. Auch wenn der Einsatz und die Fürsorge der Sozialarbeiterin Frau Bafané (Gabriela Maria Schmeide) unermüdlich ist, verbessert sich die Situation nicht. Die letzte Hoffnung liegt in Micha (Albrecht Schuch), einem erfahrenen Coach für schwer erziehbare junge Teenager, der Benni zur Schule begleiten soll. Ihre Beziehung entwickelt sich zu einer sehr intensiven und nachdem sie einige Wochen zusammen im Wald verbracht haben, erscheint ein Lichtblick am Horizont.

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