70. Berlinale: „Die Frau, die rannte“ (OT: „Domangchin Yeoja“) von Hong Sang-soo – Siberner Bär für die Beste Regie


In „Die Frau, die rannte“ von Hong Sangsoo besucht Gambee (Kim Minhee) ihre Freundin (Seo Younghwa). Sang-soo erhielt für seine Tragikomödie bei der 70. Berlinale den Silbernen Bären für die beste Regie. © Jeonwonsa Film Co. Production

Freundinnen unter sich

Bekannt ist der koreanische Regisseur Hong Sang-soo für Filme, in denen sich Frauen über Männer unterhalten, Männer über Frauen und meistens alle aneinander vorbeireden. Trotz der hohen Produktivität Hongs, die ihm erlaubt, durchschnittlich einen Film im Jahr zu präsentieren, enthält jedes neue Werk neue Ideen. Eine stilistisch gefestigte Handschrift, die auf Lakonie, Minimalismus in der Ausstattung und einer präzisen Schauspielerführung basiert, machen seine Filme zu leisen, aber pointierten Gesellschaftsstücken. Die Relevanz und Tragweite der besprochenen Stoffe zeigt sich meist zwischen den Zeilen und auf den zweiten Blick.

Auf gleiche Weise verhält es sich auch in Hongs aktuellem, kurzweiligen Film „The Woman Who Ran“ über eine Frau, die die Abwesenheit ihres Mannes ausnutzt, um mehrere ihrer Freundinnen zu besuchen. Seit fünf Jahren ist sie verheiratet und in dieser Zeit haben ihr Mann und sie noch keinen einzigen Tag getrennt verbracht. Das sei ganz normal, wenn man verliebt sei, sage ihr Mann. Gambee (Kim Min-hee, Hongs Lebenspartnerin) wirkt nicht sonderlich überzeugt. Auf die Frage, ob sie ihren Mann liebe, antwortet sie überlegt und nüchtern, so scheint es, dass sie regelmäßig Momente erlebe, in denen sie sich ihm nahe fühle, geborgen. Das ist vielleicht Liebe, ja.

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