70. Berlinale: „Favolacce“ („Bad Tales“) von Damiano und Fabiano D’Innocenzo – Silberner Bär Bestes Drehbuch


Für „Favolacce“ mit Elio Germano in der Hauptrolle erhielten die 1988 geborenen Brüder bei der 70. Berlinale den Silbernen Bären für das Beste Drehbuch. © Pepito Produzioni, Amka Film Production

Die Unerträglichkeit des Seins

Eine kleine Vorstadtsiedlung mit weiß umzäunten Häusern, großen Terrassen und ansehnlichen Vorgärten. Die Sonne brennt, die Zikaden zirpen. Doch die Idylle ist trügerisch. Die Kamera nähert sich einem Fenster. Dahinter sitzt eine Mutter mit ihren zwei Kindern auf einer Couch und sieht fern. In den Nachrichten wird von einem toten Baby, das von seinen Eltern in einer Wanne ertränkt worden sein soll, berichtet. Scheinbar unbeeindruckt nehmen die drei die Informationen zur Kenntnis. Die Kamera fährt weiter und begleitet Dennis (Tommaso di Cola), den Jungen, der gerade die Nachrichten hörte, vor die Tür, wo die hochschwangere Nachbarstochter Vilma (Ileana D’Ambra) ausrangierten Hausrat auf der Straße verkauft. Er fragt sie, ob sie sich wirklich sicher sei, ihr Kind haben zu wollen. Die Kamera fährt über die blauen Flecken eines Körpers.

Gleich zu Beginn der „Favolacce„, den verdorbenen Geschichten, erklärt eine Stimme aus dem Off, dass ihr Wochen zuvor etwas Komisches passiert sei. Der Mann, dem die Stimme gehört, erklärt, das Tagebuch eines Mädchens gefunden und behalten zu haben, da ihm die Geschichten gefielen. Die folgende Geschichte sei durch eine wahre Geschichte angeregt worden, diese wahre Geschichte stamme allerdings von einer unwahren Geschichte ab, die wiederum nicht sehr inspiriert sei. Das Spiel mit den Wirklichkeiten, das die Zwillingsbrüder, die selbst in einem Vorort Roms groß wurden, hier anstoßen, ist offenbar als autoreferentieller Bezug zu lesen. Ein vom „Leben Genervter,“ wie es im Film heißt, berichtet über die Abgründe hinter dem beobachteten Scheinidyll.

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