„Die Arier“ von Mo Asumang


Dokumentarfilmerin Mo Asumang trifft für "Die Arier" ein Mitglied des Ku Klux Klans. Foto: achtung berlin

Dokumentarfilmerin Mo Asumang trifft für „Die Arier“ ein Mitglied des Ku Klux Klans. Foto: achtung berlin

Die Irritation der Offenheit

Schon bei den ersten Bildern stellen sich den Zuschauern die Nackenhaare auf. Neonazi-Parolen mischen sich mit Mo Asumangs Erzählung von ihren deutschen Großeltern, die überzeugte Nationalsozialisten waren. Hier beginnt die Reise der afrodeutschen Moderatorin, Schauspielerin und Regisseurin. Die Tochter einer Deutschen und eines Ghanaers mischt sich unter rechtsradikale Demonstranten und Burschenschaftler, trifft Historiker, Sprachwissenschaftler, Verschwörungstheoretiker und Mitglieder des Ku Klux Klans. Ihr Ziel: Herausfinden, was ein „Arier“ eigentlich ist.

Anfangs fragt sie noch „Was und wer ist eigentlich deutsch?“ Schließlich steht sie auf der Straße und fragt Passanten einfach: „Sind Sie ein Arier?“ Und nach und nach wird deutlich, wie wenig bisher über diesen Begriff nachgedacht wurde. Blauäugig, blond, helle Haut – so hatte ein Arier nach den Vorgaben der Nazis auszusehen, dieses Bild hat bis heute Bestand.

Während die meisten Menschen diese Bezeichnung längst aus ihrem Wortschatz gestrichen haben, gibt es zahlreiche rechtsradikale Vereinigungen, welche die „Rassentheorie“ der NS-Diktatur leben und verbreiten. Mo Asumang wundert sich und fragt unverblümt und vermeintlich naiv nach, nicht, ohne sich in Gefahr zu bringen. Als sie auf einer Demo in Wismar unaufhörlich einem der Demonstranten Fragen nach dem Sinn dieser Veranstaltung und seiner eigenen Meinung stellt, beginnt dieser, natürlich mit Hilfe anderer, die Regisseurin vor sich her zu schieben und in die bedrohliche Menge zu drücken.

Noch mehr Angst hat man um Mo Asumang, als sie in der amerikanischen Pampa mitten in der Nacht auf ein Mitglied des Ku Klux Klans wartet, das sich hier mit ihr treffen will. Das unheimliche Zusammentreffen mit der Kapuzengestalt und seinem vermummten Begleiter schnüren dem Zuschauer die Kehle zu. Mo Asumang jedoch stellt klar und präzise die Fragen, die ihr auf der Seele brennen. Und bekommt, wie so oft, schwammige Aussagen, die nur eines deutlich machen: Der Hass und die Gewalt gegen Menschen, die anders sind, als sie selbst, rühren von einer Angst her, die sie nicht eingestehen wollen.

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14. April 2014 | In achtung berlin

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