“Bezness as usual” von Alex Pitstra


Nach zwanzig Jahren besucht der Regisseur Tunesien zum ersten Mal und lernt seinen Vater kennen, der ihn mit offenen Armen empfängt. Der gutaussehende, extrovertierte Mitte-Fünfzigjährige gibt sich insgesamt wenig beeindruckt, als sei es ganz selbstverständlich, dass nun zusammenwachse, was zusammengehöre. Diese Haltung überträgt sich auch auf die weiteren Familienmitglieder vor Ort und weckt im ersten Moment ein berührendes Gefühl, das Zuschauer und Regisseur gleichermaßen befällt.
Nach und nach kommt eine andere Ebene hinzu. Pitstra erfährt, dass er eine Halbschwester in der Schweiz hat und bemüht sich, diese dazu zu überzeugen, ebenfalls nach Tunesien zu reisen, um den gemeinsamen Vater kennenzulernen. Jasmins Vorbehalte auch nach dem Treffen mit dem Vater zeigen Pitstra erst, welche Ausmaße das “Bezness” seines Vaters und fast all seiner Brüder hat.

Die Geschwister können sich nicht des Eindrucks befreien, dass ihr Vater sie, nun anstelle ihrer Mütter, als Einkommensquelle ausnutzen will. Zwischen den Beteiligten stellen sich Fragen der Loyalität, der Familienbande und des Vertrauens. Pitstra und seine Schwester sind hin und her gerissen zwischen dem Wunsch ihre Wurzeln und ihren Vater kennenzulernen, ohne den sie aber auch jahrelang erfolgreich gelebt haben, und ihrem Verhältnis zu ihren Müttern, die eine ganz andere, pessimistische und zum Teil verbitterte, Sicht auf die Ereignisse der Vergangenheit haben. Die Zerrissenheit zwischen zwei unterschiedlichen Kulturen zu stehen, bereitet ihnen Schwierigkeiten und doch erweitert der Umstand vermutlich ihren Horizont.

Pitstra beobachtet durch seine Kamera die Menschen genau, ohne sie bloßzustellen. Geschickt fängt er auch komische Momente ein, die der Dokumentation zusätzlich eine rührende Seite geben.

Teresa Vena

Bezness as usual“, Regie: Alex Pitstra

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