“Die Königin und der Leibarzt” von Nikolaj Arcel


Mads Mikkelsen und Alicia Vikander

Mads Mikkelsen und Alicia Vikander

Königliche Unterhaltung

Dänemark im 18. Jahrhundert. Thronfolger Christian VII. (Mikkel Boe FØlsgaard) vermählt sich mit der ihm schon seit langem versprochenen Prinzessin Caroline Mathilde von Großbritannien (Alicia Vikander). Die junge Braut gibt sich alle Mühe, eine vorbildliche Königin zu sein. Doch ihr royaler Gatte, der ihr zuvor als kultivierter Feingeist beschrieben wurde, entpuppt sich in der Realität als infantiler Freak mit einem Hang zu Prostituierten, Selbstgesprächen und einer abschreckend verrückten Lache. “Stehle mir nicht mein Licht”, herrscht der exzentrische und psychisch labile Christian die bezaubernde Caroline an, nachdem sie mit ihrem Klavierspiel die neue dänische Familie verzücken wollte. Zeiten der Verspottung und Einsamkeit stehen der jungen Königin bevor, die sich erst ändern, als der Armenarzt Johann Friedrich Struensee (Mads Mikkelsen) an den Hof des Königs berufen wird. König Christian frisst einen Narren an dem Mediziner, der ihn fortan als sein Leibarzt auf Schritt und Tritt begleitet. Nach anfänglichem Misstrauen entdeckt Caroline, dass Struensee sich wie sie selbst den großen Ideen der europäischen Aufklärung verpflichtet fühlt. Neben einer leidenschaftlichen Affäre, die nicht ohne Folgen bleibt, beginnen sie mit viel Raffinesse, den König für die Umsetzung ihrer Ideen einzusetzen.

Das riskante Spiel um Macht und Reformen beruht auf authentischen Gegebenheiten. Regisseur Nikolaj Arcel schafft vor diesem Hintergrund einen spannenden und überaus unterhaltenden Kostümfilm, der alle großen Themen behandelt: Liebe, Politik, Freundschaft, Vertrauen, Macht, Freiheit, Mut und Tragik. Für das Drehbuch wurde Arcel gemeinsam mit Rasmus Heisterberg auf der 62.Berlinale mit dem Silbernen Bären ausgezeichnet. Und auch die Schauspielleistung blieb bei der Preisverleihung nicht unbeachtet: Mikkel Boe FØlsgaard erhielt für seine Interpretation des verrückten dänischen Königs den Silbernen Bären als bester Darsteller. Völlig zu Recht und dennoch überraschend. Denn alleine in seinem eigenen Film hat er starke Konkurrenz: den international beliebten Mads Mikkelsen, der als Mediziner Struensee erstmals und überraschend überzeugend in einem Kostümfilm zu sehen ist, und die absolut umwerfende schwedische Darstellerin Alicia Vikander, die auf der Berlinale in einer weiteren Hauptrolle als verzweifelte und rachsüchtige Teenagerin in dem Kinderfilm “Kronjuvelerna” (erhielt “Lobende Erwähnung” bei der Preisverleihung der Sektion Generation) zu sehen ist, und in Schweden bereits ein absoluter Shootingstar ist. In diesem beeindruckenden Trio ist FØlsgaard der vermeintliche Außenseiter, der allerdings durch seine frische und authentische Darstellung des völlig aus der Spur geratenen Königs dem Film den allergrößten Unterhaltungswert gibt.

Die überlangen 131 Minuten sind zwar nicht unbedingt gerechtfertigt, denn auch historischen Stoff kann man knapper schneiden, aber dank fantastischer Besetzung, attraktivem Kostümbild und der großen Prise royaler Verrücktheit gelingt es dem Film, bis zum Ende spannend zu bleiben. Absolut königlich.

Verena Manhart

Die Königin und ihr LeibarztRegie: Nikolaj Arcel, Hauptdarsteller: Mads Mikkelsen, Trine Dyrholm, David Dencik, William Jøhnk Nielsen, Alicia Vikander, Mikkel Følsgaard, Kinostart: 19. April 2012


Schlagwörter: Alicia Vikander, Berlinale, Die Königin und der Leibarzt, Mads Mikkelsen, Mikkel Boe FØlsgaard, Nikolaj Arcel, Silberner Bär

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