„Lenas Klasse“ („Die Korrekturklasse“) von Iwan I. Twerdowski


Umjubelt beim Kinofestival Kinotavr und beim 24. Filmfestival des osteuropäischen Films Cottbus: "Die Korrekturklasse" von Iwan I. Twerdowski!

Umjubelt beim Kinofestival Kinotavr und beim 24. Filmfestival des osteuropäischen Films Cottbus: „Die Korrekturklasse“ von Iwan I. Twerdowski!

Die Träumer

Echt fühlt sich das Leben nur dann an, wenn man es ausreizt. Das denken sich zumindest die Jugendlichen, die gemeinsam die Förderklasse in Iwan I. Twerdowskis Debütfilm „Die Korrekturklasse“ besuchen. Da ihr Alltag im separaten Korridor einer Schule wenig Erfüllung bietet, suchen sie sich am Nachmittag einen Ausgleich, der ihre Adrenalinausschüttung anheizt. Sie legen sich auf die Bahngleise, die Arme eng am Körper und warten auf die Züge. Spätestens wenn die schweren Waggons über sie hinweg gerast sind, wissen sie wieder, wer sie sind und auch ein wenig mehr, was sie einmal sein wollen.

Lena, selbst auf einen Rollstuhl angewiesen, wird nach sechs Jahren Hausunterricht das erste Mal mit dem sozialen Gefüge einer Klasse konfrontiert. Durch ihr selbstbewusstes Auftreten steigt sie in der Hierarchie schnell auf und wird zum begehrten Mitglied der Gruppe. Dies wandelt sich frappierend schnell als sie eine Beziehung mit ihrem Mitschüler Anton eingeht. Die unschuldige Zuneigung wird von ihrem neidischen Umfeld missbilligt. Die beiden Träumer Lena und Anton werden attackiert, verletzt und Stück für Stück auseinander getrieben.

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Iwan I. Twerdowskis Film wurde nicht ohne Grund sowohl auf dem Kinofestival Kinotavr als auch auf dem 24. Filmfestival des osteuropäischen Films Cottbus prämiert. Bei „Die Korrekturklasse“ handelt sich um ein intelligentes Sozialdrama, verpackt in einer berührend konventionellen Liebesgeschichte. Obwohl der Fokus auf den Jugendlichen liegt, wird der gesellschaftliche Umgang mit Beeinträchtigten in Russland auf deprimierende Weise deutlich gemacht. Keiner von Lenas Lehrern scheint daran interessiert, die Jugendlichen zu fördern und auch die eigenen Eltern haben noch kein Verständnis für das Leben mit Einschränkungen entwickelt. Schüler, die Anforderungen an ihre Ausbildung stellen, werden als Bälger und Besserwisser abgestempelt. Die Strukturen sind so archaisch und streng autoritär, dass sie im deutschen Verhältnis überzeichnet oder veraltet erscheinen.

Gleichzeitig zeigen die brutalen Gewaltszenen die Abgestumpftheit der Jugendlichen selbst. Das Gefüge, das die Gruppe sich aufgebaut hat, funktioniert nur, wenn niemand aus der Rolle fällt. Die Freundschaften, die sie miteinander verbinden, sind funktional und zu großen Stücken auf Eigennutz begründet. Lenas und Antons Beziehung macht die beiden zu stark und zu optimistisch, als dass die Gruppe sich um sie herum arrangieren könnte.

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26. April 2016 | In Russische Filmwoche

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