“Milla” von Valérie Massadian


Poetische Reflexionen durchbrechen den langsamen Erzählfluss. In einer Szene redet Léo über Milla und schaut dabei direkt in die Kamera. Nach seinem Tod sprechen beide gemeinsam aus dem Off einen Text über den Schiffbruch. Auch der skurrile Auftritt eines Duos, das den Song “Add It Up” von Violent Femmes covert, und den sich Milla während der Arbeit scheinbar nur einbildet, hebt sich deutlich ab. “Why can’t I get just one kiss? Why can’t I get just one fuck?” heißt es im Song, der Millas Einsamkeit nach Léos Tod und ihre Sehnsucht auch nach körperlicher Liebe spiegelt. In anderen Szenen scheint Léo plötzlich neben ihr zu liegen oder mit dem kleinen Sohn zu spielen.

Doch nicht nur diese Abweichungen von der Erzählstruktur verleihen den Charakteren mehr Tiefe. Die Figur der Milla durchlebt eine große Entwicklung. Vom im ersten Teil des Films meistens naiv kichernden Anhängsel ihres Freundes entwickelt sie sich nach Léos Tod zu einer nachdenklichen, einsamen, aber positiven und selbstbestimmten jungen Frau, die Verantwortung für ihren kleinen Sohn übernimmt. Millas Zusammenspiel mit ihrem kleinen Sohn bewegt besonders, weil Ethan auch im wirklichen Leben der Sohn der jungen Darstellerin ist und die Nähe, die beide zueinander aufgebaut haben, spürbar wird.

Den familiären oder schulischen Hintergrund der beiden jungen Ausreißer beleuchtet “Milla” nicht. Durch diese Auslassung lässt der Film viel Raum für eigene Interpretationen, bevor er gegen Ende auch einen sozialkritischen Ton anschlägt. Milla bekommt weder Geld von ihren Eltern noch möchte sie von staatlicher Unterstützung leben. Sie kämpft und gibt trotz aller Hürden niemals auf. So macht “Milla” nicht zuletzt auch Mut – als eine Geschichte über die Hoffnung und die Stärke einer jungen Frau und Mutter.

Stefanie Borowsky

Milla“, Regie: Valérie Massadian, DarstellerInnen: Séverine Jonckeere, Luc Chessel

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