“Mr. Long” von SABU


Long ist nicht nur ein verbreiteter chinesischer Nachname, sondern verweist auch auf das bekannteste ostasiatische Fabelwesen: den Drachen. Ein Drache ist in der Mythologie ein Reisender, der mit viel Respekt behandelt wird. In chinesischen Sagen verliert der Drache auf den Reisen seine Krallen, in den Japanischen macht er sich um sie verdient. Die Figur des Auftragskillers Mr. Long spielt mit diesen beiden Varianten.

Mr. Long” ist ein üppiger Film, der nicht an Pathos und visuellen Exzess spart. Das Blut spritzt, die Tränen fließen und das Essen sieht so verführerisch lecker aus. Kitschig und melodramatisch produziert Regisseur SABU Emotionen – mit Hilfe seines trockenen Humors und den wunderschön choreografierten Kampfszenen entstehen kontrastierende und dennoch runde Szenen, die “Mr. Long” auszeichnen. Die gelungene Dramaturgie strukturiert die Emotionen in einem aufsteigenden Bogen. Die ersten melodramatischen Szenen lassen sich noch leicht abschmettern, die späteren machen es auch abgebrühten Zuschauern wirklich schwer, sich nicht berühren zu lassen. Die Sehnsucht des einsamen Drachen nach Liebe und Geborgenheit sowie sein Wunsch nach Normalität entwickeln sich glaubhaft und ergreifend. Die liebevolle Zubereitung der Speisen visualisiert eine künstlerische Seite an dem brutalen Killer. Sie gibt der Figur Tiefe.

Mr. Long” hat neben der zentralen Geschichte viele Momente des Erforschens und des Kennenlernens. Die fremde Kultur des Badehauses, des buddhistischen Tempels und des Nō-Theaters setzt SABU ethnografisch in Szene. Vor allem die taiwanesische Küche lockt mit schmackhaften Bildern.

Politischer Zwist belastet immer wieder die Verhältnisse zwischen Japan, Taiwan und der Volksrepublik China. Er entflammt sich an dem Streit um die Zugehörigkeit der unbewohnten Senkaku-Inseln. Der Film führt dagegen eine grenzüberschreitende Solidarität vor, die durch eine Begeisterung für die andere Kultur erwächst.
Die Überlänge von “Mr. Long” ist nie langatmig: der gelungene Genremix, die rhythmische Erzählweise und die großen überindividuellen Themen machen den Film sehenswert.

Leontin Beger

Mr. Long“, Regie: SABU, Darsteller: Chen Chang, Runyin Bai, Yiti Yao, Kinostart: 14. September 2017

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15. Juli 2017 | In Allgemein | Keine Kommentare »

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