“One Rogue Reporter” von Richard Peppiatt und Tom Jenkinson


Der Film ist jedoch keineswegs bierernst. “One Rogue Reporter” ist sogar sehr lustig. Jenkinson hat verstanden, Aussagen von Hugh Wittow (The Sun, Daily Star) und Kelvin MacKenzie (The Sun) so zusammenzuschneiden, dass sie ihre Scheinheiligkeit selbst entlarven. Die Boulevardblätter verbreiten konservative Werte, mehr noch als es die Bild in Deutschland macht. Die Bild kann sogar noch einiges von den Blättern lernen. Gegen Wittow und Co. ist Kai Diekmann ein Jakob Augstein.

Wasser predigen und Wein trinken ist die Devise von den Boulevardgrößen, die alle weiße, übergewichtige, alte Männer sind, mit großer Ausnahme natürlich von Rebekah Brooks (News International), die gerade wegen des Telefonskandals angeklagt wurde. Doch Peppiatt konzentriert sich auf die Männer. Sie haben heimliche Affären, nehmen Drogen und veröffentlichen gleichzeitig Affären von Stars, oder um wieder Hugh Grant als Beispiel zu nehmen, zeigen der Welt, dass Menschen für Sex Geld bezahlen.

Peppiatt, der nach seinem, nach eigener Aussage, „journalistischen Selbstmord“ als Comedian auftritt, dreht den Spieß um. Er macht das mit ihnen, was sie sonst nur anderen antun. Er fotografiert, filmt, belästigt sie auf dem Nachhauseweg. Er provoziert sie mit Dildos in der Haustür. Peppiatt versteht sein Handwerk, war er doch ein recht erfolgreicher und aufstrebender Boulevardjournalist.

„Ich wollte ihnen den Spiegel vorführen und zeigen, was ein Eindringen in die Privatsphäre bedeutet.“, sagt Peppiatt. Doch an ein Ende des aggressiven Boulevards glauben die Filmemacher nicht. „Unser Film wird überhaupt nichts ändern.“, meint Jenkinson nach der Vorführung. „Viele Journalisten in dem Bereich hassen, was sie tun, doch sie machen trotzdem weiter. Sie leiden am Stockholm-Syndrom.“

So ist der Film eben vor allem eines: die Geschichte eines geläuterten Journalisten, der sich wieder reinwaschen will. Peppiatt hat sein Talent in der Comedy gefunden, die Doku ist beste Werbung dafür. Er erzählt witzig, mit viel Selbstironie und schlüpft mit sichtlich viel Freude in die Rolle des nervigen Klatschreporters.

„Hier im Publikum sitzt heute bestimmt mindestens ein Anwalt von den Zeitungen.“, ruft Peppiatt schon leicht angetrunken vom Bier ins Publikum. Angst vor juristischen Folgen haben sie nicht. „Wir sind legal abgesichert. Wir haben bisher auch nur eine Email von Wittow bekommen – und die hatte keinen Inhalt.“

Laura Varriale

One Rogue Reporter“, Regie: Richard Peppiatt und Tom Jenkinson

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24. Juni 2014 | In Allgemein | Keine Kommentare »

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