“Paterson” von Jim Jarmusch


Die Stärke von Jarmuschs Film liegt in den kleinen und subtilen Momenten, die hier große Bedeutung erhalten. Die Wiederholung der alltäglichen Abläufe lässt feine Variationen und Veränderungen erkennen, ohne dass diese in dramatischen Handlungsverläufen geschildert werden müssen. Dies ist vor allem Adam Drivers zurückgenommenem Schauspiel zu verdanken, welches die Emotionen und Stimmungen seiner Figur ohne große Gestik und Mimik vermittelt. Das Zentrum bilden vielmehr die tragikomischen Situationen, die sich am Rande ereignen. So wie Patersons hypochondrischer Arbeitskollege Donny, der ihm jeden Morgen von den neuen Dramen seines Lebens wie dem Diabetes seiner Katze berichtet. Oder der schwermütige Everett, der nach Feierabend in der Bar im Selbstmitleid über seine scheiternde Beziehung versinkt. Wir sehen eine filmgewordene Bluesform, welche diese Personen amüsiert verfolgt, aber mit ernsthaftem Respekt behandelt.

Es wimmelt hier von klassischen Jarmusch-Momenten vergangener Dekaden. Von den langen statischen Einstellungen und archetypischen Tracking Shots, welche die Straßenbilder einfangen, über die verschrobenen Dialoge, denen Paterson in seinem Alltag begegnet, hin zu einer Spoken Word Darbietung des Wu-Tang Clan Mitglieds Method Man sind hier zahlreiche seiner Markenzeichen vorhanden. Diese stellen jedoch keine Vorraussetzung für das Filmverständnis dar, sondern wirken wie Randnotizen, die sich an die Kenner seines Gesamtwerks richten. Auch Jarmusch-Neulinge sollten somit problemlos Zugang zu der eigenwillig-amüsanten Welt des Autorenfilmers finden.

Paterson” ist seine hoffnungsvolle Anerkennung der leichten und schwermütigen Momente des Lebens, untermalt von einem eingängigen Ambient Soundtrack seiner Band SQÜRL und festgehalten in den großartigen Bildern von Kameramann Frederick Elmes. Hierzu bedarf es keiner schwerwiegenden Reflexion. Es ist ein einfacher Film, der durch seine Detailverliebtheit komplex wird, aber auch ein vielschichtiger Film, der sich durch die ungezwungene Umsetzung in jeglicher Hinsicht genießen lässt.

Henning Koch

Paterson“, Regie: Jim Jarmusch, DarstellerInnen: Adam Driver, Golshifteh Farahani, William Jackson Harper, Chasten Harmon, Method Man, Kinostart: 17. November 2016

Am Mo, 22. Mai um 21.30 Uhr im Freiluftkino Insel!

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16. Mai 2017 | In Sonstiges | 4 Kommentare »

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4 Kommentare zu ““Paterson” von Jim Jarmusch”

  1. denis sagt:

    Die Gewinner wurden per Mail informiert. Viel Vergnügen!
    Jarmusch-Fans aufgepasst!
    Bei unserem nächsten Gewinnspiel könnt ihr Gästelistenplätze zu “Gimme Danger” gewinnen.
    Hier lang:
    http://berliner-filmfestivals.de/video/gimme-danger-von-jim-jarmusch

  2. Lucie sagt:

    Mein liebster Jarmusch Film ist bisher Only Lovers Left Alive.

  3. Andreas Müller sagt:

    Mein absolutr Liebling ist Permanent Vacation, sein Erstling. Viel schräger geht es nicht. Bin gespannt auf den Neuen!

  4. Johannes sagt:

    Paterson ist es! Trau ich mich mutig;)