„Sisyphus“ von Veronika Kühner und Celestina Frese (Aug 19)


Unser „Open Screening“-Film des Monats August 2019 ist die Animation „Sisyphus“ von Veronika Kühner und Celestina Frese.


An jedem dritten Mittwoch im Monat können Filmemacher ihre Kurzfilme – ohne Anmeldung, ohne Vorauswahl, ohne Jury – beim Open Screening im Sputnik Kino Kreuzberg präsentieren und jeweils nach der Vorführung mit dem Publikum ins Gespräch kommen. Unerwünschte Inhalte können vom Publikum mit mehrheitlich gezogener roter Karte gestoppt werden. Das Ganze ist somit so etwas wie ein Filmfestival ohne Netz und doppelten Boden, bei dem ausschließlich Filmemacher und Publikum entscheiden, was gezeigt wird.

berliner-filmfestivals.de präsentiert euch einmal im Monat einen von den Veranstaltern ausgewählten Beitrag der letzen Open Screening-Ausgaben mit einem Interview. Bei uns erfahrt ihr mehr über die Macher der Filme und ihre Pläne. Nach der Mockumentary Shiddi 7eilik“ (von Salma ElShami) im Mai, dem sagenhaften Kurzfilm Memories Of Old Awake“ von Patrick Chadwick und der Web-Serie „Just Plain Dead“ von Emily Manthei im Juli, stellen wir euch im August die Animation „Sisyphus“ von Veronika Kühner und Celestina Frese vor.

Hier unser Interview mit Filmemacherin Veronika Kühner zum Film und dessen Entstehung…

Viel Vergnügen!

Veronika, worum geht es in deinem Film?
Veronika Kühner:
Der Animationsfilm „Sisyphus“ thematisiert gleichermaßen den Kampf mit sich selbst und den Kampf gegen ein System, welches Gehorsam über Sinn stellt. In einer dystopischen Fabrik werden Angestellten sinnlose Arbeiten aufoktroyiert, die diese nicht zu hinterfragen scheinen. Das System verliert seine Immunität, als ein einzelner Arbeiter sich seiner Selbst in diesem Absurdismus begreift. Diese Erkenntnis führt ihn unweigerlich aus der eigens verschuldeten Selbstverleumdung zu Gunsten des Systems. Er steht nun vor einer persönlichen Entscheidung: Rebellion oder Resignation?

Wie ist die Idee dazu entstanden?
Der Film war unsere Abschlussarbeit für unser Kommunikationsdesign-Studium. Da wir beide leidenschaftliche „Küchenphilosophen“ sind, wollten wir unbedingt einen Film machen, der sich mit einer philosophischen Thematik befasst. Wir haben uns zu dieser Zeit viel mit Texten von Erich Fromm, Fritz Riemann und Arno Gruen befasst – Animation schien uns als geeignetes Mittel ein abstraktes Thema zu verbildlichen.

„Sisyphus“ entstand als Abschlussarbeit der Regisseurinnen.

Mir hat neben der Grundidee auch der Stil des Films besonders gut gefallen und mich irgendwie an eine Mischung aus Steampunk und „Metropolis“ erinnert. Gab es für für dich konkrete Inspirationsquellen?
Ja! Nachdem das Drehbuch fertig war haben wir uns lange damit beschäftigt wie wir das niedergeschriebene visualisieren können – Inspirationsquellen waren unter anderem Lynd Ward (Künstler; Holzschnitt), Shaun Tan (Graphic-Novelist) und auch Fritz Langs „Metropolis“ und Charlie Chaplins „Moderne Zeiten„.

Wie habt ihr eure Grundidee konkret umgesetzt?
Alle Figuren und Formen waren einzelne Bleistiftzeichnungen, die wir dann digitalisiert haben. Aus den Formen bauten wir die einzelnen Hintergründe in Photoshop. Bewegungen wurden in After Effects animiert. Den gesamten Prozess – Preproduction, Production und Postproduction – haben wir als Zweier-Team bestritten.

Und wie lief der Prozess bis zur Fertigstellung des Films?
Der Film ist von der Idee bis zu seiner Fertigstellung in drei Monaten entstanden – dabei haben wir während dieser Zeit nicht viel anderes gemacht außer gegessen, geschlafen und am Film gearbeitet. Als wir unserer Professorin exakt zwei Wochen vor der Diplomprüfung unseren noch ziemlich unfertigen Film gezeigt haben, war ihr einziger Kommentar „Und wie wollen Sie den innerhalb von zwei Wochen fertig stellen? Können Sie vergessen“. Uns blieb also Resignation oder Rebellion! Die restlichen zwei Wochen haben wir noch weniger gegessen und geschlafen und den Film tatsächlich fertig bekommen – dabei haben wir in der Nacht vor unserer Verteidigung noch den Sound der Schritte aufgenommen und eingefügt.

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4. August 2019 | In Allgemein

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