„Dibbuk – Eine Hochzeit in Polen“ („Demon“) von Marcin Wrona



Marcin Wrona erzeugt in „Dämon“ von Anfang an eine irritierende Atmosphäre und Spannung. Die physische Auswirkungen der Besessenheit Piotrs wirken so realistisch und eindrücklich, dass man glaubt, sie selbst nachzuempfinden. Mit wenigen technischen Mitteln, die im wesentlichen auf eine suggestive Lichtführung zurückgehen, inszeniert Wrona ein kammerspielartiges Horrorszenarium. Der ganze Film spielt sich in einer Nacht ab, die Figuren wandeln zwischen großem Festzelt und Haus hin und her, immer wieder am Garten vorbei, in dem das vermeintliche Skelett lag und von dem die Bedrohung auszugehen scheint.

Es beeindruckt weniger die Geschichte rund um theologisch-spiriturelle Fragen, die den jüdischen Glauben an die Seelenwanderung in den Vordergrund stellen, obwohl sie in dieser Art sicher als originell gelten kann, sondern eindeutig Wronas Bildfindung und trockener Humor. Die Szenen im Festzelt, in denen der Schwiegervater von Piotr das merkwürdige Verhalten des letzteren immer wieder gegenüber den Gästen, versucht zu erklären, aber gleichzeitig feststeht, dass er selber maßlos vor den Kopf gestossen ist, zeugen von einer genauen Beobachtungsgabe und Selbstironie seitens des Autors.
Er bemüht sich um eine sensible und tiefgründige Charakterzeichnung der einzelnen Figuren, die durch eine gelungene Besetzung überzeugend dargestellt werden. Als amüsant bleibt die Rolle des überforderten Arztes (Adam Wronowicz) in Erinnerung, der sich ununterbrochen als Antialkoholiker ausgibt, aber, wie auch anders zu erwarten, heimlich trinkt.

Neben seiner fantastischen tritt die gesellschaftskritische Ebene als gleichwichtiger Teil des Filmes hervor. Wrona entscheidet sich dafür, ein Bild einer oberflächlichen, feierwütigen und zur Empathie wenig fähigen polnischen Mittelschicht zu geben. Das ist eine pessimistische Haltung, die im Film konsequent zum Ausdruck kommt.

Teresa Vena

Dämon“, Regie: Marcin Wrona, Darsteller: Itay Tiran, Agnieszka Żulewska, Andrzej Grabowski, Tomasz Schuchardt, Katarzyna Herman, Adam Woronowicz, Włodzimierz Press, Tomasz Ziętek; Kinostart: 28. Juli 2016

Termin bei den White Nights des Fantasy Filmfest:
Sonntag, 6 Dezember, 13 Uhr

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