„Killer Joe“ von William Friedkin


Matthew McConaughey als Auftragskiller: Cool kann hier höchstens der Blick des Beobachters bleiben. Foto: Voltage Pictures

Matthew McConaughey als Auftragskiller: Cool kann hier höchstens der Blick des Beobachters bleiben. Foto: Voltage Pictures

Die Moral der Sieger

Moralisten, die angesichts des Umfangs und der Schwierigkeiten ihrer Aufgabe von Bescheidenheit ergriffen werden, die die Geringfügigkeit menschlichen Urteilsvermögens erkennen, warnen uns davor, unseren beschränkten Werten universale Gültigkeit beizumessen. Die Trailer, die zu William Friedkins „Killer Joe“ im Internet herumgeistern, führen den Interessierten erst einmal in die Irre. Man sieht coole kaputte Typen mit coolen großen Waffen sich gegenseitig Liebenswürdigkeiten zukeifen und dann knallt der eine kaputte Typ im Regelfall den Anderen ab. Cool kann hier höchstens der Blick des Beobachters bleiben und das wird ihm im Laufe der etwas über 100 Minuten Spielzeit gründlich vergehen. In „Killer Joe“ geht es um Sühne und Bestrafung. Die Luft steht und sie steht vor Schweiß. Dabei geht es so unterkühlt und berechnend los. Der Drogendealer Chris (Emile Hirsch) beschließt seine Mutter zu ermorden um deren Lebensversicherung abzustauben. Dafür heuert er den Auftragskiller Joe (Matthew McConaughey) an. Da Chris in wirklicher jeder Beziehung ein armes Schwein ist, bezahlt er Joe in Naturalien – sprich Sex mit seiner jüngeren Schwester Dottie (Juno Temple).

Friedkin, der in den 70er Jahren mit Filmen wie „French Connection“ und „Der Exorzist“ Erfolge feierte,  behandelt seine Figuren mit so viel Empathie wie ein Forscher die Ratten in seinem  Labor. Er peinigt sie zu einem kruden Nebeneinander von Overacting und Provinz, wagt einen Schaulauf mit Vergewaltigungsszenen und Erniedrigungspraktiken, stößt den Zuschauer in einen delirierenden Taumel, um schließlich mit der Pointe aufzuwarten, dass Texas als Soziotop noch schlimmer ist als Hoyerswerda, Halle und Magdeburg zusammen – und, dass Matthew McConaughey mit seinem Bitte-Haue-Mir-Schon-Aus-Prophylaxe-Eine-In-Die-Schnauze-Gesicht zur Zeit am Besten dafür geeignet ist, Sozio- und Psychopathen sämtlicher Couleur zu mimen. Für diese Erkenntnis, die genau genommen keine ist, fließt ein bisschen viel Blut. Dennoch ist allen Beteiligten eine interessante, perverse Farce gelungen. Nichts ist absolut, moralische Maßstäbe verändern sich unmittelbar mit der Machtverteilung. Die herrschende Moral ist immer die der Sieger. Man kann nicht so tun, als würde man die Waage der Gerechtigkeit zwischen ihnen und ihren Opfern im Gleichgewicht halten.

Joris J.

Killer Joe“ Regie: William Friedkin, Darsteller: Matthew McConaughey, Emile Hirsch, Juno Temple, Thomas Haden Church, Gina Gershon, Scott Martin, Gralen Bryant Banks

28. November 2012 | In Allgemein

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