Ein Stück ostdeutsche Filmfestivalkultur


Filmszene: "Schäfer Milan gegen die EU"

Filmszene: "Schäfer Milan gegen die EU"

Vom 30. bis 31. März findet in Berlin-Weißensee im Kino Toni das 3. West-Östliche Filmfestival statt. Wie schon in den vergangenen Ausgaben liegt die Aufmerksamkeit auf Kurzfilmen unabhängiger Filmemacher aus Mittel- und Osteuropa. Gezeigt werden fast 160 Kurzfilme aus 18 Ländern, darunter Armenien, Bulgarien, Lettland, Russland, Tschechien und Venezuela. Doch das Festival steht in diesem Jahr an einem Scheidepunkt: Für seinen langjährigen Festivalleiter Rainer Hässelbarth wird es das letzte Festival nach 18 Jahren sein. Mit ihm geht auch ein Stück ostdeutsche Filmfestivalkultur, die bereits 1972 mit dem Verein „ars cinema berlin“ ihren Anfang nahm. Ob und wie das Festival weitergeführt wird, steht derzeit noch nicht fest. Es könnte also die letzte Ausgabe sein.

1972 als Amateurfilmklub in Ost-Berlin gegründet, organisierte „ars cinema berlin“ bereits 1982 die erste Amateurfilmschau, die auch nach der Wende weitergeführt wurde. Zehn Jahre lang wurde dann das Festival „Fenster zum Osten“, danach fünf Jahre das „BerlinerFilmFenster-grenzenlos“ veranstaltet, aus denen sich 2010 schließlich das West-Östliche Filmfestival entwickelte.

Gezeigt wurde über die Jahre viel Bewegtbild auf unterschiedlichsten Formaten, anfänglich waren es meist 16-mm und Super 8-Filme. In den 18 Jahren, in denen das Festival in seinen unterschiedlichen Ausprägungen stattfand, „haben wir knapp 820 Filme gezeigt“, resümiert Hässelbarth. Und das vor knapp 4500 Besucher. Doch nicht nur die Zuschauer kamen zahlreich – auch Filmschaffende und Regisseure. Unter den Juroren finden sich so bekannte Namen wie Andreas Dresen, Roland Gräf oder Ralf Schenk.

„Unser Festival verstand sich von Anfang an als ein Dialogforum zwischen Ost und West. Das gegenseitige Kennenlernen, das Gespräch und die Reflexion standen immer im Zentrum“, erklärt Hässelbarth. Und obwohl sich der Fokus des Festivals mit den Jahren verschoben hat, die Filme mittlerweile aus der ganzen Welt kommen, ist das Kurzfilmfestival eines der wenigen geblieben, das vor allem Arbeiten aus den ehemaligen Ostblockstaaten zeigt. So finden sich in diesem Jahr zahlreiche Filme aus der Tschechischen Republik, aus Kroatien und Estland im Programm. Kurzspielfilme, Dokumentationen und Animationsfilme, die man sonst kaum woanders sehen wird. In diesem Sinn kann man nur hoffen, dass es eine Zukunft für dieses kleine, aber wichtige Berliner Festival gibt.

Martin Daßinnies

3. West-Östliche Filmfestival 30.03.2012 bis 31.03.2012 (Preisverleihung am 01. April) im Kino Toni, Programm unter www.kino-toni.de


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