Loser aus Leidenschaft


Szene aus der Doku "1000 Tage" von Christoph Steinau.

Szene aus der Doku "1000 Tage" von Christoph Steinau.

Scheitern ist ein sehr unschönes Wort, aber mit einer beachtlichen Anzahl von Synonymen: verlieren, durchfallen, missglücken, fehlgehen, verfehlen oder auch verkacken und abkacken. Warum ist das so? Wäre eine Welt ohne das Scheitern nicht viel schöner und sollten wir diese Begriffe der Schande deshalb nicht besser ganz schnell aus unserem Wortschatz streichen? Lieber nicht, denn nach dem Scheitern kommen viele andere tolle Worte wie lernen, verstehen, aufstehen, aufrappeln und weitermachen. Wer mal auf die Fresse gefallen ist, weiß, wie toll es ist, hinterher wieder aufrecht zu stehen.

So gesehen macht ein Motto wie „Scheitern aus Leidenschaft“ tatsächlich Sinn, denn so lautet der Leitgedanke des Festivals des gescheiterten Films, das vom 3. bis 10. Januar im Babylon Kino in Berlin-Mitte gastiert, um anschließend die Annehmlichkeiten des Misserfolgs in 16 weitere Städte der Bundesrepublik zu bringen. Sowohl Kurz- als auch Langfilme rücken die menschliche Fehlbarkeit ins Zentrum der Aufmerksamkeit, darunter Beiträge mit wunderbar deprimierenden Titeln wie „Family Failure„, „Muss besser werden„, „Arbeitslos“ oder „Abgesoffen„. Hier wird es um hässliche Scheidungen, Hungerkünstler, Alkoholismus oder um sadistische Schreibtischtäter der ARGE gehen, also um tragische Figuren, die sich am besten gleich ein großes L auf die Stirn tätowieren lassen. Die Zuschauer müssen selbst entscheiden, ob sie empathisch mitleiden oder sich an dem Elend anderer ergötzen, was ja durchaus auch ganz befreiend sein kann, um für einen kurzen Augenblick die Fehlschläge des eigenen Lebens zu vergessen oder sich bewusst zu machen, das alles viel schlimmer sein könnte. Scheiße ist schließlich auch immer relativ.

Alina Impe

Festival des gescheiterten Films
von 3. bis 10. Januar im Babylon:Mitte

31. Dezember 2012 | In Festival des gescheiterten Films