Bitte freuen Sie sich jetzt nicht


Cosima M. Grohmann ist freie Journalistin und lebt in Berlin. Als Regie- und Produktionsassistentin hat sie bei diversen Filmproduktionen mitgewirkt. Als Filmkritikerin fühlt sie sich allerdings dem Kino näher, sie schreibt u.a. für fluter, die Berliner Zeitung und die Deutsche Presse Agentur.

Cosima M. Grohmann ist freie Journalistin und lebt in Berlin. Als Regie- und Produktionsassistentin hat sie bei diversen Filmproduktionen mitgewirkt. Als Filmkritikerin fühlt sie sich allerdings dem Kino näher, sie schreibt u.a. für fluter, die Berliner Zeitung und die Deutsche Presse Agentur.

Was bewegt, über welche Projekte spricht die Filmbranche und wo wird gerade wieder einmal unter Protest ein traditionelles Programmkino geschlossen – oder sogar eröffnet? In ihrer Kolumne „Zurückgespult“ blickt Autorin Cosima M. Grohmann einmal im Monat zurück und schaut auf das, was passiert ist, vor und hinter den Leinwänden. Diesmal: der Deutsche Filmpreis 2013.

Vielleicht lag es an Mirjam Weichselbrauns sagenhaft langweiligem Kleid oder dem peinlichen Auftritt von Florian David Fitz, der mit seiner „Was-kann-man-denn-als-Mann-jetzt-noch-sagen“-Rede die weibliche Nebendarstellerin Christine Schorn kürte und sich nebenbei als #Aufschrei-Parodist blamierte. Vielleicht lag es auch an Eisprinzessin Iris Berben, die während des rund dreistündigen Abends nur einmal die Fassung verlor: Nämlich genau dann, als sie sie als Jurypräsidentin der Deutschen Filmakademie souverän hätte behalten müssen – die Verleihung des Deutschen Filmpreises jedenfalls kam dieses Jahr mit rekordverdächtig wenig Glanzmomenten aus, von Rührung ganz zu schweigen. Ein ganz einfaches Beispiel: Wie reagiert jemand, dessen erster abendfüllender Kinofilm gerade in sechs – sechs! – Kategorien eine Lola abgestaubt hat und damit nicht nur ein hübsches Sümmchen mit nach Hause neben darf sondern auch die Anerkennung seiner Klassenkameraden, pardon, von „Branchenkennern“, wie die Jurymitglieder gerne genannt werden, bekommt?

Richtig, er freut sich, verdrückt möglicherweise eine Träne, dankt seiner Crew und wenn es sein muss auch seiner Freundin oder Mutter. Wenn er richtig gut ist, dann sagt er sogar noch etwas über das neue „Nicht-Spielen“ im deutschen Film, so wie es Preisträger Robert Gwisdek bei seiner wirklich gelungenen und pointierten Rede als bester Nebendarsteller vorgemacht hat und hängt vielleicht noch einen kleinen Exkurs über das nicht mehr ganz so neue „Nicht-Erzählen“ dran. Nicht so „Oh Boy„-Regisseur Jan-Ole Gerster: „Danke. Bitte klatscht mich von der Bühne“. Selten wurde ein großer Moment so verschenkt. Dabei waren Iris Berben doch gleich nach der Erbrechung des Siegels so triumphierend und siegessicher die Gesichtszüge entglitten, dass man sich wieder für einen kurzen Moment an die Mahner des vergangenen Jahres erinnerte, die die allzu berechenbare Vergabe-Praxis der Lolas schriftlich kritisiert hatten.

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27. April 2013 | In Deutscher Filmpreis - LOLA

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