Gescheitert? Nicht mit hwmueller!


Warum ist "Borderline" von Bernd Kilian gescheitert? Das pPferd hat nicht gemacht, was es sollte, die Frau auch nicht und der erste Kameramann auch nicht. Der Film musste trotzdem fertig produziert werden wegen der Förderung. Foto: Festival des gescheiterten Films

Warum ist "Borderline" von Bernd Kilian gescheitert? Das Pferd hat nicht gemacht, was es sollte, die Frau auch nicht und der erste Kameramann auch nicht. Der Film musste wegen der Förderung fertig produziert werden. Foto: Festival des gescheiterten Films

Ein angestrebtes Ziel nicht zu erreichen, heisst lediglich, sein Ziel nicht zu erreichen. Scheitern ist nur ein Teil der Entwicklung. Warum gibt es diesen Begriff? Kann man überhaupt scheitern? Man kommt doch immer irgendwie irgendwo an. Wenn man Angestrebtes nicht erreicht, öffnen sich andere Pforten. Scheitert man etwa mit dem Tod am Dasein? Der Tod ist doch nur ein Teil des Ganzen und somit ein angestrebtes Ziel – das ewige Leben wäre demnach illusorisch. Stirbt man, vollendet man das Leben.

Dazu ein passendes Gleichnis: Ein Film wird produziert, er ist geboren und scheitert nicht, wenn er kein Publikum findet. Er ist aus einer Idee entstanden und wenn er eben nicht auf den großen Bühnen sein breites Publikum findet, ist er dennoch am Leben. Er ist Kunst, nicht Kommerz. Im besten Sinne. Diese Filme sind per se also nicht schlecht.

Filme durchlaufen nicht selten immense Produktionsabläufe und gehen durch die Hände vieler Entscheidungsträger, was oft dazu führt, dass viele Filme den Weg nicht ins die Kino finden, oder, was noch dramatischer für den Künstler ist, häufig nicht veröffentlicht werden. Der Macher des Festival des gescheiterten Films hwmueller dazu: „In der Kunst gibt es nichts Gutes und nichts Böses. Daher ist das Sortiment der sogenannten ‚Erfolgreichen‘ in der Regel nichts anderes als ein verzweifelter Versuch, ‚Wahrheiten‘ zu behaupten, damit die eine oder andere Strömung Richtung Fördertrog gelenkt wird.“

Seit acht Jahren zeigt das Festival beständig neben vereinzelt wenig gelungenen Filmen viele Perlen der Leinwand. Auch bei der neunten Auflage kann der Zuschauer auf ein breites und feines Programm hoffen. Den Start macht eine Doku über den heute neunzigjährigen Schweizer Leonhard Buholzer alias Fritz Eichenberger. In „Legionär Nr. 5720“ lässt die Regiesseurin Marianne Schneider die Erinnerungen Leonhards an sein fünfjähriges Soldatenleben wach werden. Buchholzer wurde als junger Mann in der französischen Fremdenlegion für sein Leben geprägt. In der Dokumentation werden dem Schweizer Pensionär Züge des Zweckoptimismus entlockt, mit denen er die Widrigkeiten des 20.  Jahrhunderts überstehen konnte und die das Überleben Buchholzers erträglich machten.

Neben diesem Einzelschicksal und anderen Dokumentationen sind eine Vielzahl von fiktiven Lang- und Kurzfilmen an fünf Festivaltagen zu sehen. Ein Novum im Festivalprogramm ist ein Langzeitprojekt, das ab diesem Jahr mit einer Werkschau von und mit drei Filmemachern (Philipp Hartmann, Bernd Kilian und Hubert Sielecki) starten wird. Ungenutztes und nicht kommerziell verwertbares Potential reift bei Regisseuren und deren Arbeit über Jahre, was meist in der Branche zu wenig Unterstützung führt. Daher bietet das Festival Filmemachern, die sich selbst nicht vermarkten können, eine sehr schöne, eine öffentliche Plattform.

Sven Bruelke

Festival des gescheiterten Films, 20. bis 25. Januar, Babylon Mitte, Programm unter www.der-gescheiterte-film.com

16. Januar 2014 | In Festival des gescheiterten Films

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