BFF on the Road: Mar del Plata und der Blick auf den jungen Film aus Lateinamerika


An Eigenständigkeit fehlt es der mexikanischen Regisseurin Yulene Olaizola im Gegenzug nicht. Sie hat mit SELVA TRAGICA (engl. Titel: TRAGIC JUNGLE), der bereits auf eine beeindruckende Festivalkarriere von Venedig, über San Sebastián, bis Busan und Wien zurückblicken kann, ein äußerst suggestives Drama mit fantastischen Elementen geschaffen. Der Film gewann beim Festival von Mar del Plata den FIPRESCI-Preis, unter anderem weil er durch seine Darstellung der Männlichkeit auffällt und den Raum Jungle auf derart vielfältige Weise für sich zu nutzen weiß. Der undurchdringliche Wald wird für die Protagonisten zum Zuhause, das sie aber nie vollständig akzeptiert. Sie sind ihm ausgeliefert und er zeigt sich gnadenlos. Als Personifizierung des Waldes tritt eine ebenso enigmatische weibliche Figur auf, die den Männern genauso unbarmherzig gegenübertritt.

Still aus SELVA TRAGICA von Yulene Olaizola © International Filmfestival Mar del Plata, 2020

Still aus SELVA TRAGICA von Yulene Olaizola © International Filmfestival Mar del Plata, 2020

Den Begriff Wald hat ein weiterer Film ebenfalls im Titel, LA ESCUELA DEL BOSQUE von Gonzalo Castro. Der argentinische Regisseur hat sich mit den Themen Identität, Heimat und Familie auseinandergesetzt. In poetisch wirkenden Schwarz-Weiß-Bildern beobachtet er eine junge alleinerziehende Mutter, die auf der Suche nach einem Ort ist, das sie als Zuhause spüren kann. Hier scheint der titelgebende Wald vielmehr ein Symbol das Leben in der Stadt zu sein. Die Häuser, aber auch die Menschen um einen herum, sind die Bäume, die einem manchmal den Weg versperren, manchmal aber auch Halt und Schutz bieten. Zudem könnte man die Stadt auch als Jungle der Zivilisation ansehen, in dem es darum geht, sich nicht zu verlieren, zu überleben und mit dem ein Kompromiss für den geteilten Lebensraum zu finden ist. Castros Werk erinnert an Vorbilder wie Hong Sang soo, setzt auf eine Reduzierung der formalen Mittel und erhält dadurch einen dokumentarischen Einschlag.

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7. Dezember 2020 | In Allgemein

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