FABULA von Michiel ten Horn

The Big Matsch
Die Familie des in die Jahre gekommenen Kleinkriminellen Jos wird seit Generationen vom Unglück verfolgt. Auch Jos (Fedja van Huêt) scheint das Pech anzuziehen und wird von seinen „Kollegen“ verspottet. Als ihm sein angehender (und von ihm aus rassistischen Gründen abgelehnter) Schwiegersohn Özgür (Sezkin Güleç) einen Drogendeal vermittelt, der Jos’ angeschlagene Kriminellenkarriere wieder in die Spur bringen soll, geht natürlich auch der gründlich schief. Am Ende gibt es eine Leiche und Jos’ Junkie-Bruder Hendrik (Georg Friedrich) hat sich mit dem Drogengeld aus dem Staub gemacht.
Jos und Özgür, dieses ungleiche Paar, aus welchen Gründen auch immer um Jos’ buckligen Vater Lei (Michiel Kerbosch) verstärkt, versuchen nun Hendrik oder wenigstens das gestohlene Geld zu finden, um vor ihren türkischen Auftraggebern nicht mit heruntergelassenen Hosen erscheinen zu müssen. Auf ihrer Suche treffen sie auf eine Reihe skurriler Gestalten, die nicht müde werden, ihnen mystische Geschichten zu erzählen. Denn bei FABULA handelt es sich eigentlich um keinen Gangster- sondern einen Märchenfilm. Erzählt und kommentiert wird diese niederländische Räuberpistole von einer Zecke, die sich in Jos’ Schultern eingenistet hat.
Eigentlich, das wird in dieser recht durchschaubaren Erzählung schnell klar, geht es darum, dass Jos und Özgür sich zusammenraufen und Jos den vermeintlichen Fluch der Familie überwindet. Ort der Handlung ist Limburg, eine karge Region zwischen Belgien und Deutschland, in der es oft zu regnen scheint und deren Bewohner selbst ihren Landsleuten wohl als etwas obskur gelten.
Wen das an das Kino der Coen Brothers oder – um eine europäische Variante zu wählen – Anders Thomas Jensen erinnert, liegt gewiss nicht falsch. Regisseur und Autor Michiel ten Horn schickt seine Antihelden auf einen absurden Trip und das Ganze soll wahrscheinlich auch sehr komisch sein. Allein der Witz zündelt nur ein wenig vor sich hin ohne ein echtes Gagfeuerwerk zu entfachen. Hauptdarsteller van Huêt bekommt eine absurde Rotzbremse verpasst, die seiner Figur aber nicht über den Status einer doch recht flachen Karikatur hinweg hilft. Und die Fabulierlust der Nebenfiguren ermüdet schon im zweiten Anlauf.
Immerhin ist das Ganze in stylische, düstere Bilder getaucht, die aber über Logik- und Anschlussfehler kaum hinwegtäuschen können. Besonders penetrant ist die von Djurre de Haan komponierte Filmmusik, die für sich genommen ganz hübsch ist, den Film aber permanent mit falschen Emotionen zukleistert. Weniger wäre hier auf jeden Fall mehr gewesen.
Unterm Strich ist FABULA eine makabere, allzuoft ins klamaukige neigende Gangsterkomödie, die gewiss ihre Fans finden wird. Der Rezensent gehört nicht dazu.
FABULA, Regie: Michiel ten Horn, Darsteller_innen: Fedja van Huêt, Sezkin Güleç, Michiel Kerbosch, David Kross, Georg Friedrich, Anniek Pheifer, Chris Nietvelt u.v.a.
FABULA läuft ab 8. Januar im Kino.