„Familienfieber“ von Nico Sommer



Nachdem Maja unvermittelt mit dem großen Geheimnis rausplatzt, eskaliert die Situation auf dem Anwesen von Birgit und Stefan. Uwe heult und lacht abwechselnd, Stefan tut so, als würde ihn das alles nichts angehen, Maja plagt das schlechte Gewissen und Birgit versucht mit der Tatsache zu leben, dass ihr Gatte in Sachen Seitensprung offenbar ein Wiederholungstäter ist. Wie schon bei „Silvi“ tariert Sommer seinen Erzählmodus gleichmäßig aus, indem er das teils hysterische, teils resignierte Miteinander der Figuren mit isolierten Intervieweinstellungen kontrastiert. Hier werden Fragen und Antworten laut, die zuvor über Jahre hinweg im Sinne der allseits erwünschten Harmonie konsequent unterdrückt wurden. Siehe da: Erste Lösungswege tun sich auf, wo vorher Schweigen, Gleichgültigkeit und Ignoranz nur scheinbar etwas zusammenhielten, dessen ursprüngliche Basis schon längst abhanden gekommen war.

Mehr: Video-Interview mit Nico Sommer zu „Familienfieber“.

Direkte Kommunikation wird in Paarbeziehungen offenbar nach wie vor unterschätzt. Und nein, in solchen Gesprächen geht es nicht um Steuererklärungen, Elternabende oder leergegessene Joghurtbecher im Biomüll. Es geht um das Du und Ich. Sommers tragisch-komische Geschichten setzen dort ein, wo es eigentlich schon längst zu spät ist. Doch hinter jedem Ende steht ein Neuanfang. Wer diesen trotz aller Zerwürfnisse zu zweit meistern will, hat ein großes Stück Arbeit vor sich.

Alina Impe

Familienfieber„, Regie: Nico Sommer, Darsteller: Kathrin Waligura, Peter Trabner, Deborah Kaufmann, Jörg Witte, Anais Urban, Jan Amazigh Sid, Kinostart: 15. Januar 2015

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11. Januar 2015 | In achtung berlin

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