Filmgespräche am Rheinufer


In den ersten beiden Teilen unserer kleinen Exkursion, die uns nach Ludwigshafen zum Festival des deutschen Films geführt hat, berichteten wir über die Preisträger und die dortige Sonderposition bezüglich dem immer gängigeren Zusammenspiel von Kino und Fernsehen.

Doch nicht die verteilten Preise machen den Reiz der Festivaltage am Rheinufer aus. Das Festival des deutschen Films lebt von seiner bemerkenswert gelösten Stimmung, die sich von den Organisatoren ausgehend über deren Gäste bis hin zum Publikum ausbreitet. Gründe dafür sind einige zu nennen: Zu allererst sicher die Filmauswahl. Befreit vom Diktat der Premiere, mit dem sich viele kleinere Festivals der direkten Konkurrenz mit den tonangebenden A-Festivals von Berlin, Cannes und Venedig aussetzen, blickt Ludwigshafen auf Sternstunden des Jahrgangs. Dass das funktioniert hat, hat ganz sicher auch mit dem Standort zu tun.
Im Gegensatz zu großen Filmkunstmetropolen wie Berlin, dankt es das etwas andere Festivalpublikum, anspruchsvolle Filme überhaupt im Kontext eines Filmfestivals genießen zu können. Dem Risiko eines im Moment der Premiere scheiternden Streifens, setzen die Festivalmacher ihr Publikum nicht aus. Im Gegenteil, sie filtern die filmischen Leistungen des Jahres und präsentieren ein hoch-qualitatives Extrakt an besonderem deutschem Film. Diesen spielen sie nicht nur ab, sondern erschaffen ein Ambiente, was den Festivalbesuch zum sommerlichen Event stilisiert. Zwar findet Kino weiter im dunklen Saal statt, doch ist der in Ludwigshafen in großen, luftigen Zelten untergebracht in denen 800 bzw. 1.000 Besucher Platz finden. Die liegen nur einen Steinwurf vom städtischen Treiben entfernt, ermöglichen aber durch die nähe des Flusses eine temporäre Flucht aus dem urbanen Umfeld. Die Verantwortlichen erschaffen einen Ort der Begegnung, der zum Verweilen und auch Plauschen rund um die Zelte am Rhein einlädt, dem sich auch die Film-Elite hingibt. Sie erheben den gemeinsamen Austausch mit ihren obligatorischen Filmgesprächen sogar zu einem weiteren Kernelement der Festivaltage.

Direkt nach Vorführung der Filme stehen Mitwirkende, wie Regisseure, Schauspieler oder Produzenten in einem eigens dafür eingerichteten, weiteren Zelt zuerst den Festivalmachern und anschließend dem Publikum zur öffentlichen Diskussion zur Verfügung. Dabei muss die wirklich bemerkenswert hohe Qualität der Gespräche erwähnt werden, für die sich ausgewiesene Experten wie Rüdiger Suchsland, Günter Minas und Dr. Josef Schnelle verantwortlich zeichnen. Ihre fachlich kompetente Auseinandersetzung mit den Filmen ihrer Gäste, entlockt sicher jedem Cineasten den ein oder anderen inneren Freudensprung. Denn was liegt näher, als nach dem gesehenen Film über diesen zu sprechen?!?

Wie gut das Festival des deutschen Films in Ludwigshafen funktioniert, belegt die Bilanz von knapp 33.000 Besuchern, die trotz Fußball-Weltmeisterschaft, die ruhige Parkinsel besuchten. Auf dem Erfolg ausruhen will sich die Festivalleitung um Direktor Dr. Michael Kötz nicht. „Zur Innovationsfähigkeit des Festivals gehört, immer wieder neu darüber nachzudenken, warum die Menschen wirklich zu diesem Festival kommen“, sagt er und denkt laut über ein mögliches drittes Kinozelt oder einen anzuschließenden Filmmarkt am Rheinstrand nach. Der Stadt Ludwigshafen und dem Land Rheinland-Pfalz tut ein solches Festival gut. Sie sollten es hegen und pflegen.

Denis Demmerle

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7. Juli 2010 | In Allgemein

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