Ursus berlinensis und Kiezklischees


Die Organisatorinnen (v.l.n.r.) Eva Schmidhuber, Manuela Georgiew, Franziska Becher

Die Organisatorinnen (v.l.n.r.) Eva Schmidhuber, Manuela Georgiew, Franziska Becher

Drei Bezirke, drei Perspektiven, ungewohnte Einblicke und drei sympathische Organisatorinnen: Alle zwei Jahre nimmt sich das Kurzfilmfestival kiezkieken drei Stadteile Berlins zum Thema und läßt Filmemacher über ihren Teil der Stadt sprechen. Wir sprachen mit Eva Schmidhuber, Franziska Becher und Manuela Georgiew über das kommende Festival, die Gegensätze der Stadt und die Schwierigkeiten, dieses einzigartige Festival auszurichten.

Ihr seid noch ein sehr junges Festival und findet nun zum zweiten Mal statt. Was war in diesem Jahr anders an der Organisation?
Eva Schmidhuber: Eine ganze entscheidende Änderung ist, dass wir uns mit den diesjährigen Orten: Wedding, Prenzlauer Berg und Marzahn anderen Kiezen widmen. Was auch dem Konzept von kiezkieken entspricht, immer neue und spezielle Bereiche von Berlin in den Fokus zu nehmen. Zu den ausgewählten Orten suchen wir dann über einen Kurzfilmwettbewerb nach Filmen, die verschiedene Perspektiven auf das Leben in den Kiezen geben. Das bedeutet für die Organisation, sich mit den neu gewählten Orten vertraut zu machen, sie selbst zu entdecken und sich dort zu vernetzen. Die Idee, andere Einblicke in die Stadt zu bekommen sowie mehr über ihre Entwicklung zu erfahren, haben wir diesmal konzeptuell mit Kieztouren und Videoinstallationen erweitert. Zudem gibt es einen Bilderwettbewerb und Videoworkshops für Jugendliche.
Franziska Becher: Das Festival wird außerdem nicht mehr in Cafés durchgeführt, sondern in größeren Kultureinrichtungen wie z.B. dem ATZE Musiktheater in Wedding und ddem Zeiss-Großplanetarium in Prenzlauer Berg. Zum einen bieten diese Institutionen mehr Platz und zum anderen prägen sie durch ihre eigene Funktion den atmosphärischen Rahmen des Festivals.

Ihr habt Euch für die aktuelle Ausgabe sehr unterschiedliche Bezirke ausgesucht. Warum diese drei?

Manuela Georgiew: Für die Konstellation Wedding, Prenzlauer Berg und Marzahn haben wir uns aufgrund ihrer Kontraste entschieden. Alle drei befinden sich in gewisser Weise in verschiedenen Entwicklungsstadien. Der Wedding ist dabei in einem Zwischenstadium. Auf der einen Seite gilt er weiterhin als Arbeiterbezirk und es gibt viele soziale Probleme. Auf der anderen Seite ziehen viele junge Künstler aufgrund der günstigen Mieten in die Gegend und bereichern das kulturelle Leben. Man wird sehen, wie sich das in der nächsten Zeit weiterentwickelt.

Franziska Becher

Franziska Becher

Becher: Schon bei unserem ersten Festival 2009 wurden wir mehrfach darauf angesprochen, warum wir nicht Prenzlauer Berg genommen haben und so stand im Grunde schon früh für uns fest, dass er einer der nächsten Orte sein wird. Natürlich kann man auch behaupten, man weiß bereits alles über Prenzlauer Berg, hat alles schon gesehen oder hat vielleicht auch gar keine Lust mehr, sich mit dem Bezirk auseinanderzusetzen. Wir haben es aber trotzdem gewagt und wurden nicht enttäuscht.

Schmidhuber: Marzahn ist für viele Berliner und Touristen eher unbekannt. Durch die Außenlage kann der Bezirk als eigene Stadt empfunden werden und vieles unterscheidet ihn vom Berliner Zentrum. Gerade das macht aber seinen besonderen Charme aus. Er wird oft gleichzeitig als sehr grau und doch grün beschrieben. So wird sein Stadtbild einerseits von den Plattenbauten und andererseits von den vielen Grünflächen geprägt. Viele kennen die „Gärten der Welt“ und vielleicht noch die Einkaufsmöglichkeiten. Es haben aber auch viele Entwicklungen in den letzten Jahren stattgefunden, um den Bezirk vielfältiger und farbenfroher zu gestalten. Unsere Intention ist es, den Bezirk von innen zu zeigen, ihm seine eigene Stimme zu geben.

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4. November 2011 | In kiezkieken

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