11mm: Abseits jeder Zahlenmystik


Der Dokumentarfilm "Union fürs Leben" beschert 11mm eine seit Wochen ausverkaufte Eröffnung im Babylon.  © Frank Marten Pfeiffer

Der Dokumentarfilm „Union fürs Leben“ beschert 11mm eine seit Wochen ausverkaufte Eröffnung im Babylon. © Frank Marten Pfeiffer

Zum bereits elften Mal rollt das Internationale Fußballfilmfestival 11mm vor dem Babylon in Mitte seinen grünen Rasen neben der bewährten Trainerbank aus. Nirgendwo sonst bilden Fußball und Film ein so harmonisches Paar, wie bei dem Filmfest, das in diesem Jahr zwischen dem 27. März und dem 1. April stattfindet. So sehr die 11 bei den Zahlenmystikern unter den Fußballfans unzählige Assoziationsketten auslöst – man denke nur an 11 Spieler pro Mannschaft, den 11 Meter oder die Rückennummer 11, die Legenden wie aktuell Ryan Giggs oder Miro Klose tragen – so wenig schert sich 11mm um diesen Kult.

Die Schwerpunkte liegen stattdessen auf Wichtigerem. Seit Wochen ist die Eröffnung des Festivals ausverkauft. Kein Wunder, auf dem Programm steht die Weltpremiere von „Union fürs Leben“ von Marten Pfeiffer und Rouven Rech, die 2010 mit der Doku „Hoffenheim – Das Leben ist kein Heimspiel“ bei 11mm den Publikumspreis, „Die Goldene 11“ einheimsten. Der Nachfolger schickt sich an, in die großen Fußstapfen zu treten. So freut sich Lars-Christian Daniels von Filmstarts.de über „eine authentische und stimmungsvolle Liebeserklärung an den derzeitig erfolgreichsten ostdeutschen Fußballclub“, schränkt aber ein, dass diese „ein wenig zu einseitig ausfällt.

Mit diesem Urteil können die zahlreichen Union-Fans, die beim Heimspiel im Babylon zu erwarten sind, sicher bestens leben. Direkt nach der Eröffnung zeigt 11mm den Film in einer Sondervorstellung ein weiteres Mal, genau wie die Doku am Festival-Sonntag und –Dienstag auf dem Programm steht.

Neben den „Eisernen“ Union-Fans kommen auch Anhänger anderer Vereine auf ihre Kosten. Im Programm findet sich Rene Hiepens Huldigung der letzten, historischen Bayern-Saison „Wembley – Footbal Is Coming Hoam„, während sich Klaus Fiedler dem großen nationalen Konkurrenten BVB zuwendet und in „Dortmund-Süd, die schwarz-gelbe Wand“ die Fans der größten Stehplatztribüne Europas in den Fokus rückt. Einen ganz andere Faszination üben kleinere Vereine aus. So präsentiert das Magazin 11freunde die per Crowdfunding finanzierte Doku „Fortunas Legenden„, Gladbach-Fans kommen in „Die Raute im Herzen“ auf ihre Kosten und die Doku „Nullfünfer – mit Kopf, Herz und Seele“ wagt sich in die Niederungen des sonst so glamourösen Sports und „geht der Frage nach, warum Göttingen 05 eine für einen Oberligisten überraschend große Fanszene hat, die sich durch ihre linkspolitische Prägung und das immense Engagement ihrer Mitglieder auszeichnet.“ Natürlich in elf Interviews.

Im Jahr einer Fußball Weltmeisterschaft verharrt 11mm natürlich nicht im Lokalen oder Regionalen. Das Festival widmet dem Fußball-Land Brasilien einen eigenen Schwerpunkt, dessen Highlight ganz sicher Nostalgiker und den Fußball-Feuilleton gleichermaßen verzücken wird. Der guten Tradition folgend – man erinnere sich an den Coup um Sepp Maiers Sommermärchen-Variante „We Are The Champions“ – haben sich die Macher umgesehen und sind auf das von Carlos Niemeyer 1957 entwickelte Reportage-Format Canal 100 gestoßen. Kai Dittmann wird eine restaurierte Filmfassung mit Niemeyer und dessen Sohn Alexandre präsentieren. Entzückend.

Denis Demmerle

Neben den genannten möchten wir drei Filme aus dem aktuellen 11mm-Jahrgang besonders empfehlen…

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22. März 2014 | In 11mm

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