Wowi geht, Dieter bleibt



Was hinter den Kulissen als Ausbau von fundiertem Fachwissen und wirtschaftlicher Förderung von großer Bedeutung für die Filmwelt ist, wird in punkto Sektionenausbau von vielen als aufgeblähter Apparat empfunden. Denn Kosslick schraubte ordentlich im bis dato doch recht verstaubten Getriebe des A-Festivals aus Deutschland. Die Perspektive deutsches Kino wurde gleich beim Amtsantritt 2001 eingeführt, es folgten Berlinale Shorts oder Berlinale Special oder Nebenreihen wie das Kulinarische Kino, die Deutsche Reihe oder Berlinale Keynotes. Wer alljährlich das logistische Meisterwerk namens Programmheft mit den vielen verschiedenen Orten, Zeiten und Kinos in der Hand hält, weiß: Hier ist Fleißarbeit gefragt. Ein Filmfestival ist schließlich kein Sonntagsspaziergang.

Selbst wenn ihm immer wieder vorgeworfen wird, die Königsdisziplin Wettbewerb wäre zu wenig mainstreamig, zu nah dran an den Oscars, zu sehr warm up für Cannes – mit TV-Crossover-Aktionen zeigt Kosslick, dass er sich durchaus neuen Trends im filmischen Erzählen öffnet – vielleicht sogar mehr als in Frankreich oder Italien. Mit der Premiere von Jane Campions Miniserie „Top of the Lake oder der Ausstrahlung von neuen House of Cards-Folgen bewies er jedenfalls ein Gespür für kleine Festivalperlen. Mit mittlerweile fast 500.0000 Kinobesuchern ist die Berlinale denn auch unter seiner Führung zum größten Publikumsfestival der Welt avanciert.

Dazu gehört eben auch, sich jedes Jahr aufs neue mit den Stammgästen George Clooney, Matt Damon, Tilda Swinton oder Diane Kruger zu präsentieren. Aber auch die alljährlich mehr oder weniger schwer nachvollziehbaren Jury-Entscheidungen fallen immer wieder auf ihn zurück. Gerade in diesem Jahr fragte sich das gesamte deutsche Feuilleton mal wieder, warum Richard Linklater mit „Boyhood“ eigentlich nicht den Goldenen Bären bekam – gerade weil Linklater mit seinen Premieren ebenfalls zum festen Repertoire der Filmfestspiele gehört.

So ist das eben, wenn man Chef von dit Janze ist. Und genauso wie es uns mit vielen Vorgesetzten geht, so ist es eben auch mit Berlinale-Boss Dieter Kosslick: Wir finden sie oft peinlich, irgendwie aber auch ganz nett, jedenfalls halten sie den Laden am Laufen und mal ehrlich – so wirklich tauschen wollen wir nicht mit ihnen.

Cosima M. Grohmann

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