Woche der Kritik 2026: Ein Fokus auf Streitkultur

Ein Reminder, dass im Februar nicht nur die Berlinale, sondern auch ein anderes Filmfestival in eurem Kalender stehen sollte: Die Woche der Kritik 2026 (9.-17. Februar 2026) hat in diesem Jahr den Themenschwerpunkt „Widersprechen, wieder sprechen – Grenzen und Potenziale von Streitkultur“. Die Woche der Kritik gibt es seit mittlerweile 12 Jahren. Das Thema dieses Jahres trifft den Kern des Festivals: Über Film sprechen und dabei auch die Möglichkeit bieten, Gesprächen und Debatten über Film und Filmkultur eine Plattform zu geben. Bei der Woche der Kritik können die Gespräche ausufernd sein. Sie regen zum Denken an und sind streitbar und genau das macht ihren Reiz aus.
Jedes Jahr beginnt die Woche der Kritik mit einem Highlight: der Auftaktveranstaltung. In diesem Jahr findet sie am 9. Februar um 19:00 Uhr in der Akademie der Künste am Pariser Platz statt. Dieser inspirierende Abend bietet starke Impulse und Panel-Diskussionen.
Das Filmprogramm findet im Hackesche Höfe Kino statt. Für die Filme mit anschließenden Debatten gibt es verschiedene Formate: Diese sind beim Programm in „Brückenschlag“, „Halbwissen“, „Publikumsjoker“, „Reaktionszeit“, „Rudelkritik“ und „Steilvorlage“ gegliedert.
Beim Debattenformat „Brückenschlag“ werden Filmdebatten aus ihrem „gläsernen Turm“ befreit, indem die Filmemacher:innen der gezeigten Filme auf Gäste treffen, die nicht zur Filmbranche gehören. Diese bringen andere spannende Perspektiven mit, die einen inspirierenden Austausch versprechen. Die Gelegenheit, dieses Format zu erleben, gibt es am Sonntag, dem 15. Februar, ab 20:00 Uhr.
Das Debattenformat „Halbwissen“ spielt mit einem kuriosen Umstand: Die Moderation kennt weder die Filme des Abends noch die Gäste auf dem Podium. Es gilt daher, erst einmal eine „Halbwissende“ abzuholen. Was wurde geschaut? Welche Themen werden in den Filmen behandelt? Was sind ihre Besonderheiten und was haben sie in den Zuschauer:innen bewegt? Worüber kann und sollte gesprochen werden? Dieser spannende Ansatz lädt zu einer tiefgehenden Auseinandersetzung ein. Die Annahme, das Gegenüber werde schon verstehen, was man meine, auch wenn man es nur andeutet, kann hier nicht greifen. „Halbwissen“ gibt es am Mittwoch, dem 11. Februar, ab 20:00 Uhr.
Das Debattenformat „Publikumsjoker“ bietet eine sehr interaktive Möglichkeit, das Publikum miteinzubinden: Hier können Besucher:innen selbst Teil des Podiums werden und die Hilfe anderer Zuschauer:innen in Anspruch nehmen. Diese Vorgabe führt zu völlig unplanbaren Abenden und holt Filmkritik und -debatten von einem Podest herunter. Debatten zu Filmen kann jede:r führen, die/der die Filme gesehen hat. Wer diesen Abend erleben möchte, sollte am Montag, dem 16. Februar, ab 20:00 Uhr ins Hackesche Höfe Kino kommen.
Über Filme sprechen, während die Filmemacher:innen anwesend sind, ohne dass diese sich positionieren dürfen. Was macht das mit einer Debatte? Mit dieser spannenden Voraussetzung setzt sich das Debattenformat „Reaktionszeit“ auseinander. Selbstverständlich haben auch die Filmemacher:innen die Möglichkeit, Stellung zu beziehen – allerdings erst, nachdem sie die Positionen und Diskussionen der Gäste gehört haben. Wer diese „Reaktionszeit“ erleben möchte, sollte am Samstag, dem 14. Februar um 20:00 Uhr ins Hackesche Höfe-Kino kommen.
Beim Debattenformat „Rudelkritik“ diskutieren internationale Film- und Kulturkritiker:innen auf dem Podium gemeinsam mit dem Publikum über das Gesehene. Die „Rudelkritik“ findet am Donnerstag, dem 12. Februar, um 20:00 Uhr statt.
Gleich zwei Mal ist die „Steilvorlage“ im Programm der diesjährigen Woche der Kritik zu sehen. Hier werden Filme gezeigt, deren Kombination bereits Anstoß für Debatten liefern kann. Jeweils am Dienstag, dem 10. und 17. Februar, gibt es die Möglichkeit, einer „Steilvorlage“ beizuwohnen.
Ergänzt wird das Filmprogramm durch einen Workshop zur Mediendarstellung des „Nahostkonflikts“ und durch die Debatte „Agree to Disagree? – Zur Bedeutung von Kontroversen in der Filmkultur“ mit den Gästen Ruth Beckermann, Peter Bradshaw, Emilie Bujès, Radu Jude im Sinema Transtopia am 14. Februar im Wedding. Auch dieses Jahr gibt es außerdem wieder vor dem eigentlichen Auftakt das Kneipenkino am Sonntag, 8. Februar, dieses Jahr Café Bar Neues Ufer mit Jan Eilhardts Kurzfilm DIE BIERVERWEIGERIN (DE 2025) und einem großen Vorbild: Rosa von Praunheims Klassiker DIE BETTWURST (DE 1971).
Hier weitere Tipps aus dem Programm:
WORRY TIME

Darum geht es:
Die Filmemacherin Annette hat endlich die Möglichkeit, ihren Film über eine Missbrauchsgeschichte von Frauen zu realisieren. Doch sowohl ihr Umfeld als auch sie selbst stellen sie vor große Herausforderungen. Eine existenzielle Geschichte über den Wunsch, nicht einsam zu sein, und die Sehnsucht, sich treu zu bleiben.
Was du zum Film wissen musst:
Der Spielfilm von Tom Brennan (Regie) und Emma Paetz (Drehbuch) feiert bei der Woche der Kritik seine Weltpremiere und besticht durch einen Genremix sowie das präzise Einfangen des Zeitgeists. Er wird im Debattenformat „Steilvorlage“ gezeigt.
Termin:
Donnerstag, 12. Februar 2026, 20:00 Uhr, Hackesche Höfe Kino
IF YOU DON’T LIKE IT, LOOK AWAY

Darum geht es:
Eine Gruppe von Rentnerinnen genießt das Leben am Strand von Marseille. Es wird getratscht, in der Sonne gebadet und gelacht. Wenn doch jeder Tag so schön sein könnte.
Was du zum Film wissen musst:
Der dokumentarische Kurzfilm AU BAIN DES DAMES (IF YOU DON’T LIKE IT, LOOK AWAY) von Margaux Fournier aus dem Jahr 2025 feiert seine Deutschlandpremiere bei der Woche der Kritik. Er ist für den César 2026 in der Kategorie „Bester dokumentarischer Kurzfilm“ nominiert und wird im Debattenformat „Steilvorlage“ gezeigt.
Termin:
Dienstag, 17. Februar 2026, 20:00 Uhr, Hackesche Höfe Kino
Mehr Infos zur Woche der Kritik gibt es hier.