„This ain’t California“ von Marten Persiel


Rollbrettfahren am Alexanderplatz

Rollbrettfahren am Alexanderplatz

„Ollie“ üben in der DDR

„Panik hätte sich mit Sicherheit nicht so eine lahme Beerdigung gewünscht, der hätte gewollt, dass wir feiern“, sagt einer der Protagonisten am Anfang von „This ain’t California„. In der Dokumentation von Marten Persiel treffen sich die alten Freunde von Dennis aka „Panik“, ein 2011 in Afghanistan gefallener Soldat, um sich an ihre gemeinsamen Zeiten als wilde „Rollbrettfahrer“ in der DDR zu erinnern. Dabei entsteht eine furiose Mischung aus Geschichts-Doku, Skater-Movie und Drama um Freundschaften, die schließlich an der Wende zerbrechen.

Persiel, der bisher im Ausland Werbefilme gedreht hat, beginnt mit seiner ersten abendfüllenden Doku bei den Anfängen der kleinen Skater-Clique, in deren Mittelpunkt der Draufgänger Dennis steht: Als Leistungsschwimmer von seinem autoritären Vater gedrillt, sieht er im Skaten einen Weg zur individuellen Freiheit und Flucht auf die Straße. Zusammen mit seinen Freunden zerlegt er Rollschuhe und Stühle, um sich daraus ein Brett zu schustern. Anhand von Archivmaterial, alten Super 8-Aufnahmen und einem Soundtrack, der von Alphaville über die Ärzte und Anne Clark das Lebensgefühl der Achtziger beschwört, lässt der Regisseur die Freunde ihr Leben auf dem Asphalt der DDR rekonstruieren. Dass die Protagonisten dabei häufig etwas gestelzt im Berlinerischen Dialekt aus dem Off sprechen, ist gewiss gewöhnungsbedürftig, tut der Glaubhaftigkeit der Geschichte aber keinen Abbruch. Immer wieder gleitet der Fokus im Laufe des Films weg von den drei Freunden und deren Begleiter hin zu der Beschreibung einer Jugendkultur unter besonderen Umständen: „Ich weiß noch genau, wie der Asphalt in der DDR roch, ich kann den Sandstein förmlich unter meinen Händen spüren“, sagt einer der Protagonisten einmal.

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