Delicatessen – Das Berliner Tischgespräch im April 2011


Hajo Schäfer (Links), Christina Nord (vorn), RP Kahl (hinten links), Andres Veiel (rechts)

Hajo Schäfer (Links), Christina Nord (vorn), RP Kahl (hinten links), Andres Veiel (rechts)

Bei „Delicatessen – Das Berliner Tischgespräch“ bringen wir einmal im Monat wichtige Köpfe der Berliner Filmlandschaft an den Tisch des Nobelrestaurants Mesa im Hyatt. In unserer April-Ausgabe unterhielten sich Dokumentarfilm-Pabst und Regisseur von „Wer wenn nicht wirAndres Veiel, die Film-Journalistin Cristina Nord (taz), Regisseur und – wie wir erfahren – Ex-Schauspieler RP Kahl (u.a. „Bedways„) sowie Hajo Schäfer, den Festivalleiter des aufstrebenden Berliner Filmfestivals achtung berlin über Schauspieler, die kommen und gehen, Konkurrenten unter den Berliner Filmfestivals, Dokumentarfilme und ein Brüder-Duell im Wettbewerb von achtung berlin.

Schauspieler kommen und gehen

Hajo Schäfer: In unseren Festival-Filmen sehen wir jedes Jahr neue, junge Schauspieler, die noch keine Schauspielschule besucht haben. Man kann heute wieder eine Karriere als Stationsschauspieler machen.
RP Kahl: Ich glaube, das ist schon seit Mitte der 90er Jahre so. Ich spreche aus eigener Erfahrung, da ich zu dieser Zeit als Schauspieler aktiv gewesen bin. Jeder junge Mann, der drei Sätze geradeaus sprechen konnte und nicht sonst wie aussieht, war selbst Schuld, wenn er nicht gespielt hat. Die ganzen Privaten haben damals eigene Filme gemacht und brauchten Leute für ihre Daily-Soaps.
Cristina Nord: Gleichzeitig verschwinden sie aber auch frühzeitiger oder tauchen nur sehr selten auf.
Schäfer: Es setzen sich nicht alle durch. Ich glaube aber zum Beispiel an Sebastian Urzendowsky, der bei uns in der Jury sitzt. Der hat mit „Paul Is Dead“ (von Hendrik Handloetgen) sehr jung angefangen, da hatte er noch keine Schauspielschule besucht. Jetzt hat er das mit mitte zwanzig nachgeholt und spielt nun so viel, wie noch nie.

RP Kahl

RP Kahl

Kahl: Der hat in „Pingpong“ (2006 – von Matthias Luthardt) gespielt. Ich glaube, man braucht heute schneller Leute, die dann aber auch schneller wieder gehen. Ob das nachhaltig ist, ist die Frage.
Nord: Es gibt auch viele junge Regisseure, die ihren ersten Film machen, möglicherweise noch einen zweiten, dann aber verschwinden. Es ist schwierig, kontinuierlich zu arbeiten und so etwas wie ein Werk zu Stande zu bringen, das über zwei Arbeiten hinausgeht. Es scheint alles sehr schnelllebig zu sein.
Schäfer: Es gibt Filme wie „Das weiße Band„, die so etwas anschieben. Die Schauspieler, die dort die Jungs und Mädchen gespielt haben, sind alle weiter gekommen. Die haben alle eine Agentur und machen neue Filme. An denen konnte man gar nicht vorbeigucken.
Kahl: Der Film war so außergewöhnlich, da fragt man sich, wenn nicht der, welcher dann? Wie die das wohl rechtlich gemacht haben? Man darf mit Kindern nur eine gewisse Zeit am Tag drehen.
Schäfer: Das ist ganz schwierig. Ich habe das mal in Saarbrücken beim Max-Ophüls-Festival erlebt. Da gab es einen Film aus Köln mit Kindern. Die hatten Schwierigkeiten in Nordrhein-Westfalen Kinder zu finden, weil Eltern diese Drehbedingungen nicht unterschreiben wollten. Die sind in ihrer Not nach Berlin. Hier herrscht irgendwie eine Stimmung, in der alles entspannter ist. Trotzdem sind die Auflagen auch in Berlin sehr streng. Wenn du da etwas überschreitest, gibt es richtig Ärger. Das kostet richtig viel Geld.
Kahl: Ich habe beim Hessischen Rundfunk als Schauspieler gedreht, da kamen zehn Drehtage dazu, weil Jugendliche in den Hauptrollen waren. Das wurde im Sommer gedreht und hatte Nachtszenen. Also etwas, was eigentlich nicht zu drehen ist, da Kinder Nachtszenen, also Szenen nach 22 Uhr, nicht drehen dürfen. Also mussten sie das Set abhängen. Ich habe mich nicht beschwert, so hatte ich mehr Drehtage.
Schäfer: Du hast als Jugendlicher schon gespielt?
Kahl: Ich habe in diesem Sommer als Schauspieler mein 25-jähriges Berufsjubiläum. Ich habe mit 15 beim Theater angefangen.

Schäfer, Kahl, Veiel

Schäfer, Kahl, Veiel

Schäfer: In welchem Theater hast du gespielt?

Kahl: In Annaberg-Buchholz am Eduard von Winterstein Theater im Erzgebirge an der tschechischen Grenze. Mit „Sommernachtstraum“ von Shakespeare hat es angefangen. Mit 18 habe ich auch Filme gedreht. Aber ich will nicht mehr spielen.

Mit einer knappen halben Stunde Verspätung stößt Andres Veiel zur Runde.

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14. April 2011 | In achtung berlin

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