Die Kunst des Scheiterns


Filmszene: "7 min"

Filmszene: "7 min"

Berlin hat man einfach nicht im Griff„, sagt der Festivalinitiator Hartwig Müller über den vorletzten Spielort des Festivals des gescheiterten Films, das insgesamt durch 10 deutsche und zwei österreichische Metropolen tourt. „Es besteht immer ein Risiko, dass dem Berliner Filme nicht gefallen, die beispielsweise in Hannover zu den Lieblingsfilmen des Publikums gehören.“ Was für den Festivalbegründer eine Unsicherheit darstellt, ist für das Publikum von klarem Vorteil: Nur in Berlin wird vom 2. bis zum 6. Januar die gesamte Auswahl der diesjährigen, gescheiterten Filme gezeigt.

Das Festival findet nun schon zum 7. Mal statt und blickt auf schwierige Anfänge zurück. „Im ersten Jahr saß ich mit meiner Freundin allein im Kino„, erinnert sich Müller. Davon kann heute keine Rede mehr sein. Das Festival ist längst von einer Solovorführung zum Publikumsliebling avanciert. Kein Wunder: Wo sonst kann man Filme entdecken, die es nie in die großen Kinos und Fernsehprogramme geschafft haben? Beim Festival des gescheiterten Films werden ebensolche Versuche und andere vermeintliche Reinfälle gezeigt, die bei Festivals abgelehnt wurden, weil sie zu lang, zu trashig oder – so banal ist es leider oft – schlicht zu marktfern waren.

Dem Auswahl – und Selektionsprozess kann sich das Festival dann aber doch nicht ganz entziehen, schließlich sollte der ungefähre Umfang von 50 Filmen nicht gesprengt werden. „Es ist immer schwierig, eine Wahl zu treffen„, bekennt dann auch Müller. „Wir bemühen uns einfach darum, dass sich nicht zu viele Filme thematisch überschneiden.“ So reicht das Themenspektrum von der Liebesgeschichte bis hin zum Horrormovie und vom Experimentalfilm bis zur Dokumentation. „Im letzten Jahr waren viele Sozialdokus im Programm, diesmal sind es eher die Kurzfilme„, beschreibt Hartwig Müller den roten Faden, der viele Filme verbindet. Darunter finden sich zum Beispiel Matthias Lawetzkys7 min“ (2010), der sich nicht in die Vorgaben einer „Anti-Raucher-Kampagne“ quetschen ließ oder auch „Hackepetra“ von Alexander Ruhnow und Hagen Döcke (2009), der vielen Festivalmachern einfach zu blutig war.

Das Festival des gescheiterten Films ist nicht immer die letzte Station eines Films, oft fungiert das Festival auch als Sprungbrett, wie zum Beispiel im Falle des Erstlings „Das Leben ist keine Autobahn“ von Dennis Albrecht (2008), der 2008 gezeigt wurde und erst kürzlich einen Verleih gefunden hat. Nichtsdestotrotz sieht Müller die Aufgabe des Festivals im persönlichen und individuellen Kinoerlebnis: „Wir wünschen uns einfach, dass jeder Film sein Publikum findet.

Marie Ketzscher

Festivals des gescheiterten Films, 2. bis 6. Januar.2012, Kino Babylon, www.der-gescheiterte-film.com

26. Dezember 2011 | In Festival des gescheiterten Films

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