Oscarverleihung 2026 – eine Prognose, Teil #1


PAPILLON © Sacrebleu Productions
PAPILLON © Sacrebleu Productions

Am 15. März werden in Los Angeles zum 98. Mal die Oscars verliehen. Bei dieser Prognose geht es nicht darum, herauszufinden, welche Filme die besten sind, sondern welche Filme bei der Academy die besten Chancen haben. Dafür habe ich mir wieder die einzelnen Kritikerpreise und die Precursor Awards angeschaut.

Im 1. Teil geht es um die Kurzfilme, die Dokumentarfilme und die Animierten Spielfilme.


I. Die Kurzfilme

a) Animierter Kurzfilm

Wird gewinnen: BUTTERFLY von der französischen Animationskünstlerin Florence Miailhe. Der 15 Minuten lange Film stellt den französischen Schwimmer und Holocaust-Überlebenden Alfred Nakache ins Zentrum, den Miailhe noch als Kind kennengelernt hat. Nakache, der von algerischen Juden abstammte, sollte für Frankreich bei den Olympischen Spielen 1936 in Berlin antreten, bekam aber keine Starterlaubnis. Im Film erinnert sich Nakache kurz vor seinem Tod an verschiedene Stationen seines bewegten Lebens, die alle mit Wasser verbunden sind: Flüsse, Küsten, Schwimmbäder oder das Löschwasserbecken von Auschwitz. Wie auch bei früheren Filmen arbeitete Miailhe mit Ölfarbe und Pastellkreide, was BUTTERFLY (OT: PAPILLON) den ungewöhnlichen Look eines „gemalten Films“ verleiht. BUTTERFLY wurde bei der Berlinale 2024 mit dem Gläsernen Bären als bester Kurzfilm ausgezeichnet. Neben Miailhe ist für den Film auch Produzent Ron Dyens nominiert, der im vergangenen Jahr den Oscar für den besten animierten Spielfilm (FLOW) gewann.
Sollte gewinnen: Zwei weitere Filme haben gute Chancen, den Oscar zu gewinnen. THE GIRL WHO CRIED PEARLS von Chris Lavis and Maciek Szczerbowski, der in Knet-Stop-Motion ein an die Welt Charles Dickens erinnerndes Märchen erzählt. Cleveres Story Telling, das das Publikum 17 Minuten lang an der Nase herumführt und mit einem netten Twist aufwartet – beim Toronto Filmfestival als bester kanadischer Kurzfilm geehrt. Lavis und Szczerbowski waren bereits 2007 für MADAME TUTLI-PUTLI nominiert.
Visuell reduziert und nur sieben smarte Minuten lang beschäftigt sich RETIREMENT PLAN von John Kelly mit immer wieder aufgeschobenen Ideen. Ein grafisch recht simpler, sehr amüsanter Film, der auch von dem engagierten Voice-Over durch Domhnall Gleeson lebt, und bei kleineren Festivals mit insgesamt 18 Preisen ausgezeichnet wurde.
Außerdem nominiert: Der 13-Minüter FOREVERGREEN von Nathan Engelhardt und Jeremy Spears erzählt eine etwas zu infantile Story über die Freundschaft eines Bären und eines Baums. Hübsch animiert, unterm Strich aber auch etwas banal. Gewann immerhin drei Preise bei amerikanischen Animationsfestivals.
Witzig ist dagegen Konstantin Bronzits klassischer Zeichentrick THE THREE SISTERS über drei Schwestern, die auf einer isolierten Insel wohnen und eines ihrer Häuser an einen bärtigen Seemann vermieten müssen. Der 14 Minuten lange Film gewann bislang einen Preis beim Blow-Up Festival in Chicago. Bei den Oscars ist der Russe Bronzit ein alter Bekannter. Er war schon 2008 für LOVESTORY und 2015 für WE CAN’T LIVE WITHOUT COSMOS nominiert.

b) Live Action Kurzfilm

Es gibt einen Favoriten, aber alle fünf Nominierten haben gute Chancen, zu gewinnen.
Wird gewinnen: A FRIEND OF DOROTHY von Lee Knight, in dem sich eine wohlhabende, aber einsame Witwe mit einem jungen Afroamerikaner anfreundet, der aus Versehen seinen Ball in ihren Garten geschossen hat. JJ hilft Dorothy bei ihren täglichen Verrichtungen und darf sich dafür in ihrer reichhaltigen Bibliothek bedienen. In ihren charmanten Plaudereien erfährt Dorothy, dass JJ ein Geheimnis plagt und hilft ihm, sich zu offenbaren. Dieser warmherzige 21 Minuten lange Film beruht auf einer wahren Begegnung in der Jugend des Regisseurs und ist neben Alistair Nwachukwu und Miriam Margolyes auch mit Stephen Fry besetzt. Er konnte bislang 18 Auszeichnungen bei diversen Festivals gewinnen und läuft auf Disney+.
Sollte gewinnen: TWO PEOPLE EXCHANGING SALIVA von Natalie Musteata und Alexandre Singh, der auf jeder Ebene (Story, Schauspiel, visuelle Umsetzung) meisterlich ist. Der französische Film (OT: DEUX PERSONNES ÉCHANGEANT DE LA SALIVE) führt uns in 36 Minuten in eine seltsame Welt, die zwar der unseren ähnelt, aber von strengen Regeln beherrscht wird. In dieser Welt ist Küssen unter Todesstrafe verboten und die Bezahlung erfolgt per verteilten Ohrfeigen. So weit, so strange. Der Film handelt von einer High Society Dame (Zar Amir Ebrahimi) und der Verkäuferin einer Nobel-Boutique (Luàna Bajrami), die eine gefährliches Verhältnis entwickeln. Die düstere Parabel ist in ausgesucht schönen schwarzweiß Bildern erzählt und wurde bislang mit 17 Festivalpreisen gewürdigt.
Außerdem nominiert: BUTCHER’S STAIN von Meyer Levinson-Blount, in dem ein arabischer Israeli sich gegen den Vorwurf wehren muss, er habe in dem Supermarkt, in dem er arbeitet, Poster von israelischen Geiseln heruntergerissen. Das 24 Minuten lange Drama aus Israel ist ein Thriller im Kurzformat.
Sehr viel amüsanter geht es dagegen in Julia Aks’ und Steve Pinders 13 Minuten-Komödie JANE AUSTEN’S PERIOD DRAMA zu. Das Wortspiel ist.. nun ja, wörtlich zu nehmen. In dem Kostümdrama (engl.: Period Drama), das dem literarischen Universum Jane Austens entsprungen sein könnte, geht es um die weibliche Periode, die eine junge Frau just in dem Moment überkommt, als ihr ein adretter Galan einen glühenden Heiratsantrag macht. Estrogenia Talbot (Regisseurin Aks übernahm auch die Hauptrolle) will ihren Mr. Dickley nun gegen den Rat ihrer Schwestern Labinia und Vagianna aufklären. Das klassische Setting und das perfekte Timing machen den mit acht Festivalpreisen geehrten Film zu einer vergnüglichen Viertelstunde, in der Genrekonventionen genüßlich auf den Kopf gestellt werden.
Musikalisch geht es in THE SINGERS zu. Der 18-Minüter von Sam A. Davis läuft auf Netflix und führt uns in eine Bar voller Männer, die hier ihren Feierabend in Ruhe bei einigen Bieren genießen wollen. Eine spontane Wette führt dazu, dass sich einer nach dem anderen einem improvisierten Gesangs-Wettbewerb stellt. Ein hübscher kleiner Film, der bei diversen Festivals 27 Preise gewinnen konnte. Davis war vor zwei Jahren für die Kurz-Doku NAI NAI & WÀI PÓ nominiert.

c) Dokumentarkurzfilm

Wird gewinnen: ALL THE EMPTY ROOMS von Joshua Seftel, der dem Korrespondenten Steve Hartman und dem Fotografen Lou Bopp folgt, die seit einigen Jahren die Eltern von bei Schulschießereien getöteten Kindern aufsucht und für eine Langzeitstudie die verlassenen Kinderzimmer ablichten. Der 34 Minuten lange Film begleitet die beiden Reporter zu vier solchen Begegnungen. Entstanden ist das ergreifende Portrait einer Gesellschaft, die seit Jahrzehnten von einer selbsterschaffenen Katastrophe heimgesucht wird und nicht in der Lage ist, ihr wertvollstes Gut, ihre Kinder, zu schützen. Ein starker Film, der bislang acht Preise gewonnen hat und seit einiger Zeit auf Netflix zu sehen ist. Joshua Seftel und sein Produzent Conall Jones waren vor drei Jahren schon für STRANGER AT THE GATES nominiert.
Sollte gewinnen: Der stärkste Kandidat neben ALL THE EMPTY ROOMS ist sicherlich THE DEVIL IS BUSY von Geeta Gandbhir und Christalyn Hampton, der sich einer anderen amerikanischen Seuche annimmt. Im Zentrum des 31 Minuten langen Films steht eine strenggläubige afroamerikanische Sicherheitsfrau, die eine Abtreibungsklinik in Atlanta bewacht und das klinische Personal und die Patientinnen vor militanten, vor Handgreiflichkeiten und Schusswaffengebrauch nicht zurückschreckenden Abtreibungsgegnern beschützt. Ein Film, der einen immer wieder fassungslos macht und bei verschiedenen Festivals fünfmal mit Preisen gewürdigt wurde.
Außerdem nominiert: ARMED ONLY WITH A CAMERA: THE LIFE AND DEATH OF BRENT RENAUD von Craig und Brent Renaud, der die Geschichte des ersten amerikanischen Fotoreporters zeigt, der im Ukraine-Krieg erschossen wurde. Brent Renaud hat den Film noch begonnen, nicht ahnend, dass er von seinem eigenen Tod berichten wird. Brents Bruder Craig beendete den 37 Minuten langen Film und gewann beim South by Southwest-Festival den Publikumspreis.
CHILDREN NO MORE: „WERE AND ARE GONE“ von Hilla Medalia stellt in 36 Minuten eine Gruppe israelischer Aktivistinnen ins Zentrum, die jede Woche in Tel Aviv stumm gegen den Krieg in Gaza protestieren und dabei Bilder von getöteten palästinensischen Kindern hochhalten. Neben Zuspruch erfahren sie auch lautstarke Beschimpfungen durch israelische Passantinnen, die ihnen Verrat vorwerfen. Produzentin Sheila Nevins war vor zwei Jahren für THE ABC OF BOOK BANNING nominiert.
Neben all den schweren Themen in dieser Kategorie nimmt sich PERFECTLY A STRANGENESS von Alison McAlpine wie eine Kuriosität aus. In wunderschön gefilmten Bildern folgen wir einer Gruppe von Eseln, die durch die chilenische Wüste laufen und zu den Sternen am Himmel aufschauen. Philosophie? Meditation? Ein Film mit Eseln ist jedenfalls immer eine gute Idee und wohl auch deshalb hat der 15-Minüter schon 16 Festivalpreise gewonnen und geht als Dark Horse Kandidat ins Rennen.

II. Dokumentarfilm

Wird gewinnen: THE PERFECT NEIGHBOUR von Geeta Gandbhir, die auch für die Kurz-Doku THE DEVIL IS BUSY nominiert ist. THE PERFECT NEIGHBOUR ist eine True Crime-Doku, die auf Netflix zu sehen ist. Es geht um eine weiße Frau, die in einem mehrheitlich von Afroamerikanern bewohnten Vorort in Florida lebt und sich permanent über lärmende Kinder beschwert und behauptet, diese würden immer wieder unerlaubt ihr Grundstück betreten. Sowohl die Anwohner, als auch die Polizisten sind von der Querulantin genervt, bis es eines Abends zu einem Schusswechsel mit tödlichen Folgen kommt. Der ebenso verstörende wie hochspannende Film ist fast komplett aus den Aufnahmen der Body-Cams montiert, die von den Polizisten getragen werden müssen. Auf zahlreichen Festivals gezeigt und mit bislang 35 Preisen ausgezeichnet, gilt THE PERFECT NEIGHBOUR als großer Favorit für diesen Oscar.
Sollte gewinnen: MR. NOBODY AGAINST PUTIN von David Borenstein und Pavel Talankin. Letzterer ist auch der Held des Films. Talankin arbeitet bis vor wenigen Jahren als Lehrer in einer Gesamtschule in Karabasch, einer Stadt im Ural. Der junge Mann ist bei seinen Schülern beliebt. Doch als Russland den Krieg gegen die Ukraine vom Zaun bricht, ändern sich auch die Verhältnisse in Karabasch. Die Propaganda, in Putins Russland ohnehin permanent präsent, nimmt nochmal deutlich zu. Den Schülerinnen werden patriotische Lügen aufgetischt. Talankin wird von der Schulleitung beauftragt, die patriotische Ausrichtung der Lehrarbeit zu filmen. Später schmuggelt Talankin das Material außer Landes, wo es in Dänemark zu diesem Film verarbeitet wird. Talankin ist ein kurioser Kinoheld, etwas linkisch, aber mit einer gesunden Moral und viel Mut ausgestattet. Der Film gewann 12 Preise, u.a. den dänischen Filmpreis und den BAFTA und wurde beim Sundance Festival mit dem Spezialpreis der Jury gewürdigt. Er geht hier als Underdog ins Rennen, ist aber nicht chancenlos. Außerdem nominiert: auch die drei anderen Filme sind durchaus preiswürdig. In THE ALABAMA SOLUTION von Andrew Jarecki und Charlotte Kaufman filmen Inhaftierte mit eingeschmuggelten Handys die katastrophalen Umstände in ihren Gefängnissen und die menschenverachtende Behandlung der Gefangenen durch das Personal und versuchen so, die Vertuschung eines Mordes aufzudecken. Der Film zeigt die verheerenden Auswirkungen der Privatisierung des Gefängnissystems in den USA und gewann zwei Preise, u.a. den Critics Choice Documentary Award. Andrew Jarecki war schon 2003 für CAPTURING THE FRIEDMANS nominiert. COME SEE ME IN THE GOOD LIGHT von Ryan White begleitet die verheirateten Poetinnen Andrea Gibson und Megan Falley auf einer emotionalen Reise. Bei der non-binären Gibson wurde Anfang 2024 unheilbarer Eierstockkrebs festgestellt. Das letzte gemeinsame Jahr der beiden besteht aus Alltag, kleinen Roadtrips, einer „Bucket-List“ und einem letzten großen Auftritt, aber auch aus Krankenhausaufenthalten, Chemotherapie und intimen Gesprächen über das Leben, den Tod und Sex. Der sehr bewegende Film (zu sehen auf AppleTV+) wurde 20 Mal ausgezeichnet, u.a. mit dem Festival Favorit Award beim Sundance Festival.
CUTTING THROUGH ROCKS von Sara Khaki und Mohammadreza Eyni wiederum hat durch die aktuellen Ereignisse am Persischen Golf zusätzliche Aufmerksamkeit verdient. Der Film hat eine sehr starke Heldin. Sara Shahverdi ist zur ersten Gemeinderätin ihres Dorfes gewählt worden, mit dem höchsten Stimmenanteil. Als frühere Hebamme ist sie sehr gut vernetzt. Darüberhinaus hat die kluge Frau ehrgeizige Pläne, stößt aber immer wieder auf den Widerstand eines verkrusteten Patriarchats. Schließlich führt ihr selbstbewusstes Auftreten zu einer amtlichen Untersuchung zur Feststellung ihres tatsächlichen Geschlechts. Ein bemerkenswerter Film, der auf zahlreichen Festivals gezeigt und mit bislang 28 Preisen, u.a. dem großen Jury Preis beim Sundance Festival, ausgezeichnet wurde.

III. Animierter Spielfilm

Wird gewinnen: KPOP DEMON HUNTERS von Maggie Kang und Chris Applehans. Die Netflix-Produktion von Sony Pictures Animation gehört ganz klar zu den popkulturellen Highlights des Jahres. Im Film muss die K-Pop-Girlgroup Huntr/x einen geheimen Krieg gegen die Welt der Dämonen führen, die zur Erlangung der Weltherrschaft eine rivalisierende K-Pop-Boygroup, die Saja Boys, installieren, die Huntr/x in Sachen Popularität schnell den Rang ablaufen. Die Verquickung einer sanften Fantasy-Story mit dem weltweit beliebten Geschäftsmodell K-Pop (koreanischer Pop) ist eine Erfolgsformel von sagenhafter Wirkung. Der ursprüngliche fürs Kino konzipierte Film, hat auf Netflix alle früheren Hits in den Schatten gestellt und ist der meistgestreamte Film aller Zeiten. Bis September 2025 (danach wurden keine weiteren Abrufzahlen veröffentlicht) wurde der Film mehr als 300 Millionen Mal gestreamt, womit statistisch jeder Netflix-Kunde denn Film mindestens einmal gesehen hat. Der Soundtrack schaffte es fast überall auf Platz 1, der Titel „Golden“ (dazu später mehr) ist einer der drei erfolgreichsten Songs des vergangenen Jahres. Abgesehen davon ist der Film knallbunte, perfekte Unterhaltung. Er hat im Vorfeld 66 Preise gewonnen, darunter den Critics Choice Award, den Golden Globe, den PGA, den Art Director’s Guild Award und alle zehn Preise, für die er bei den vom internationalen Animations-Verband verliehenen Annie Awards nominiert war. Für Sony Pictures Animation wird KPOP DEMON HUNTERS der zweite Oscar gekrönte Film nach SPIDER-MAN: INTO THE SPIDER-VERSE (2018).
Sollte gewinnen: LITTLE AMÉLIE OR THE CHARACTER OF RAIN von Liane-Cho Han Jin Kuang und Maïlys Vallade. In der belgisch/französische Ko-Produktion (OT: AMÉLIE ET LA MÉTAPHYSIQUE DES TUBES) lernt die kleine Amélie, die mit ihren belgischen Eltern im Japan der späten 1960er Jahre lebt, die Welt als faszinierend-mystischen Ort kennen, immer ihr japanisches Kindermädchen Nishio-san an der Seite. Der Film ist ganz aus der Sicht Amélies gestaltet und erinnert im Stil entfernt an die Filme des Studios Ghibli. Ein fantasievoller, farbenfroher Spaß, der sich zwar an Kinder richtet, von Erwachsenen aber auch ganz anders gelesen werden kann und mit zehn Kritikerpreisen und dem Publikumspreis beim Filmfestival in San Sebastián ausgezeichnet wurde.
Außerdem nominiert: In dem französischen Film ARCO von Udo Bienvenu und Gilles Cazaux sind Regenbögen in Wirklichkeit Zeitreisende. Einer dieser Zeitreisenden, der Zehnjährige Arco, stürzt aus dem Jahr 3000 in unsere nahe Zukunft. Der sehr hübsch gestaltete und an japanische Animes erinnernde Film hat elf Preise gewonnen, u.a. den European Film Award und den Annie Award als beste Independent Produktion. Als Produzentin ist für ARCO auch Natalie Portman nominiert, die in ihrem Hauptberuf als Schauspielerin schon dreimal im Rennen war und 2010 für BLACK SWAN als beste Hauptdarstellerin gewann.
In ELIO von Domee Shi, Adrian Molina und Madeline Sharafian nimmt ein kleiner Junge Kontakt zu Außerirdischen auf und muss einen intergalaktischen Familienzwist lösen. Der gewohnt kompetent animierte und unterhaltsame Pixar-Film, gehört nicht zu den absoluten Highlights des erfolgsverwöhnten Studios. Er macht aber Spaß und richtet sich eindeutig an ein eher jüngeres Publikum. Sharafian war vor fünf Jahren für den animierten Kurzfilm BURROW nominiert, während Domee Shi 2018 für den animierten Kurzfilm BAO den Oscar gewann und zwei Jahre später für den animierten Spielfilm TURNING RED nominiert war.
Mit ZOOTOPIA 2 von Jared Bush und Byron Howard ist schließlich noch das Sequel eines Oscargewinners nominiert. Kaninchen Judy Hopps und Fuchs Nick Wilde müssen sich erneut zusammenraufen um einen gefährlichen Fall zu lösen. Wie im Original geht es wieder um Themen wie Rassismus, Vorurteile und diesmal auch um Gentrifizierung. Der flott erzählte und exzellent animierte Film ist mit einem Einspielergebnis von über 1,7 Milliarden $ der bislang erfolgreichste amerikanische Animationsfilm (nur die chinesische Animation NE ZHA 2 hat mit mehr als 2 Milliarden $ noch mehr Geld eingespielt). ZOOTOPIA 2 hat im Vorfeld 14 Preise gewonnen, wird es bei den Oscars aber schwer haben, da die Academy üblicherweise keine Sequels auszeichnet, es sein denn, es handelt sich um eine TOY STORY-Fortsetzung. Howard gewann den Oscar schon für ZOOTOPIA (2016) und wurde zusätzlich gemeinsam mit Bush und Produzentin Yvett Merino für ENCANTO (2021) ausgezeichnet.

Thomas Heil schaut seit 1992 die Oscars – und stellt jedes Jahr seine Favoriten zusammen. Seine Lieblingsfilme haben es oft nicht auf die Liste geschafft, aber darum geht es ja auch nicht, denn Film ist Kunst und kein Wettbewerb, wie man auch über Sinn und Unsinn solcher Preisverleihungen streiten kann. Nur soviel: man sollte sie gewiss nicht zu ernst nehmen.

In Teil #2 wird es um die Awards in den technischen Kategorien gehen.