„Das merkwürdige Kätzchen“ von Ramon Zürcher


Oft sieht man die Personen von hinten, rückwärtige Brustbilder sozusagen, in langen Einstellungen. Dann wieder schiebt sich eine Schulter ins Bild, eine Hand, ein Hinterkopf. Kombiniert mit Großaufnahmen von der schnurrenden Katze, einem Milchglas voller Hundehaare, den abgepulten Orangenschalen und dem dicken Falter an der Küchenwand vermittelt dieser Film eine melancholische Poesie, die zwischen Augenzwinkern und bösem Blick schwankt.

Dieser eigenwillige, sehr bewusst gewählte Einsatz von Sprache in dieser familiärer Szenerie gepaart mit den rhythmischen Bewegungen und Schwingungen, die entstehen – perfekt unterstützt vom großartigen Musikstück „Pulchritude“ der kalifornischen Indie-Rockband Thee More Shallows – ist so überraschend und, ja, eben merkwürdig, dass es die Zuschauer völlig in den Bann zieht, obwohl eigentlich rein gar nichts passiert. „Das merkwürdige Kätzchen“ gehört definitiv zu den großen Entdeckungen der diesjährigen Internationalen Filmfestspiele Berlin. Und auch der Auftritt des sympathischen dffb-Studenten Ramon Zürcher nach der Vorstellung ist einer dieser speziellen Berlinale-Momente. Die an der Tür kratzende Katze, die in der ersten Einstellung zu sehen ist, war ein Bild, was er schon lange im Kopf hatte, erzählt er. Davon ausgehend hat sich alles entwickelt. Und dass der Hund sich gut ans Drehbuch gehalten hätte, während Katze, Taube, Ratte und Falter aber eben frei improvisiert hätten. Schön merkwürdig das alles.

Verena Manhart

Das merkwürdige KätzchenRegie/Drehbuch/Schnitt: Ramon Zürcher, Darsteller: Anjorka Strechel, Jenny Schily, Mia Kasalo, Luk Pfaff, Matthias Dittmer, Armin Marewski, Kinostart: 2. Januar 2014, auf DVD ab: 25. Juli 2014

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19. Januar 2017 | In Allgemein

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