Handmade Fun – Das 9. Festival Of Animation Berlin


Das FAB ist zurück. Zum bereits neunten Mal seit 2017 lädt das Festival of Animation Berlin zum Staunen, Entdecken und Bewundern ins City Kino Wedding und ins Silent Green Kulturquartier ein. Aus 791 Einreichungen hat die Auswahljury 161 Filme aus 78 Ländern ausgesucht, die vom 8. Bis 11. Oktober in fünf Sektionen in einen wie immer bunten Wettbewerb treten: Pink Panda, der sich vor allem an ein jüngeres Publikum richtet, Neue Talente (Werke von Student*innen), Internationaler und Deutscher Animationsfilm und Animierter Auftragsfilm (Werbung, Imagefilm, Musikvideo etc.). Eingeläutet wird das Festival mit einer interdisziplinären Performance von Semion Bazavlouk. Der Breakdance-Pionier präsentiert eine faszinierende Mischung aus Musik, Tanz und Performance. Anschließend startet der Wettbewerb wie gewohnt mit der Sektion „Deutscher Animationsfilm“.

Der Fokus des Festivals liegt in diesem Jahr besonders auf Stop-Motion-Animation. Unter der Headline „Motion Handmade“ werden Arbeiten gewürdigt, die verschiedenste Materialien und unterschiedliche Techniken zusammenführen. Das Verfahren ist im Prinzip so alt, wie das Kino selbst. Von Knet-Animationen über experimentelle analoge Verfahren bis hin zum modernen digitalen Compositing, bietet der Stop-Motion-Film eine ungewöhnlich breite visuelle Palette, die im Unterschied zum klassischen 2D-Zeichentrick räumliche Tiefe und zumindest virtuell haptisches Vergnügen bereitet. Das würdigt auch der verspielte FAB-Trailer, eine Kollektivarbeit der renommierten Regisseur*innen Felicia Bergström, Alberto Couceiro, Matthias Daenschel, Jan Gadermann (Studenten-Oscar 2022 für LAIKA & NEMO), Tine Kluth (Grimme-Preis 2023 für die SANDMÄNNCHEN-Folge RECYCLING-MASCHINE), Izabela Plucińska (Silberner Bär 2005 für JAM SESSION) und Dina Velikovskaya, die wiedererkennbare Berliner Orte in ihren distinktiven Handschriften in den unterschiedlichsten Techniken zu einer charmanten Hommage auf die Heimat des FAB verknüpft und durchgehend außerhalb eines Animationsstudios entstanden ist.

Neben dem Wettbewerb wartet das FAB mit einem Horrorfilm-Special auf, das in drei Programmen zeigt, dass Horrorfilme neben publikumswirksamen Schock-Effekten oft auch gesellschaftskritischen Auseinandersetzungen zu bieten haben. Gezeigt werden unter anderem auch einige international ausgezeichnete Publikumslieblinge in den Schwerpunkten Science Fiction (Horror-Programm 1: Alles unter Kontrolle (versprochen), Body Horror (Horror-Programm 2: Wahrscheinlich ist es nichts) und Folk Horror (Hier draußen ist nichts Ungewöhnliches).  

Wie immer widmet sich das FAB vor allem der kurzen Form, doch mit dem von Disney’s Goldenem Zeitalter inspirierten iranischen Beitrag JULIET AND THE KING (R: Ashkan Rahgozars) wird auch ein beeindruckender Langfilm gezeigt. Ein weiteres Special bietet ein Wettbewerbsprogramm des Londoner Factual Animation Film Festival (FAFF), das seit 2015 den Fokus auf animierte Dokumentarfilme und dokumentarische Kurzanimationen legt.  

Auch in diesem Jahr bietet das FAB neben seinem Filmprogramm Raum für Vernetzung und Austausch beim Berlin Animation HUB, der sich an Branchenprofis, Berufseinsteiger*innen sowie Auftraggebende und Auftragnehmende richtet und Berlin als internationalen Animations- und Produktionsstandort stärkt. Daneben gibt es die kostenlos zugängliche 6. FAB Dimensional Ausstellung, die Animationskunst jenseits der Kinoleinwand zeigt – interaktiv, installativ und raumgreifend.

Thomas Heil
 
Hier sind unsere Tipps aus dem Programm


 
KYIV CAKE


 
Darum geht es:
Eine prekär lebende Familie in der modernen Ukraine versucht irgendwie über die Runden zu kommen. Im Kühlschrank lauert abgesehen von einigen alten Verpackungen gähnende Leere und die Energiekosten rauben das letzte Geld. Und dann bedroht der russische Angriffskrieg auch noch die kläglichen Reste ihrer Existenz.

Was Du zum Film wissen musst:
In knapp 23 Minuten entwirft Mykyta Lyskov eine packende und bisweilen überraschende Erzählung, in der die Tristesse von surrealen Elementen durchbrochen wird. Sein Porträt wechselt von bitterböser Komik zu traurigem Ernst und zurück und der titelgebende Kuchen bietet auch nur scheinbar einen Ausweg. Lyskov hat mit seinen Werken schon einige Preise gewonnen. DEEP LOVE (2019) und PUTLER KAPUT! (2023) wurden von der Ukrainischen Film Academy ausgezeichnet. DEEP LOVE und THE END (2017) konnten zudem einige Festivalpreise gewinnen. KYIV CAKE, der letztes Jahr beim DOK Leipzig seine Deutschlandpremiere feierte, gewann im vergangenen Jahr den Ukrainischen Film Critics Award „Kinokolo“. – TH

Termin beim Festival of Animation Berlin 2026
Samstag, 10.10.2026, 18:30 Uhr, Internationaler Animationsfilm III, City Kino Wedding

BECAUSE TODAY IS SATURDAY

Darum geht es:
Eine Frau steht samstagmorgens auf – eigentlich ein Tag zum Ausruhen. Sie nimmt sich eine Auszeit, um zu schreiben, doch ihr Alltag holt sie wieder ein. Kinderbetreuung und Haushalt muss sie übernehmen. Unbezahlte Care-Arbeit, die ihr Mann als selbstverständlich wahrnimmt. Immer mehr verliert sie sich in ihren Aufgaben, bis sie schließlich eine schwere Entscheidung trifft.

Was du zum Film wissen musst:
Regisseurin Alice Eça Guimarães gibt BECAUSE TODAY IS SATURDAY eine sehr persönliche Note: Sie selbst kennt die Herausforderungen als Mutter und hasst die alltägliche Hausarbeit. Guimarães ließ sich zudem von Simone Beauvour inspirieren, die Hausarbeit als Sisyphos-Arbeit bezeichnete. – LR

Termin beim Festival of Animation Berlin 2026
Samstag, 10.10.2026, 12:30 Uhr, Internationaler Animationsfilm II, Wettbewerb – City Kino Wedding

CYCLE OF VIOLENCE – PUPPY PLEASE!

Darum geht es:
Der Figur Bunny geht es augenscheinlich gut. Die Puppe freut sich, springt glücklich durch rosa Watte und lacht fröhlich. Bis sich ihr Wesen und Kostüm plötzlich verändern und der eigentliche Horror beginnt. Die Frauenstimme, die Bunny ausmacht, wird lauter und bedrohlicher: Vorwürfe, Selbstjustiz und Gewalt stehen auf einmal im Raum. Die süße Bunny wird zur Täterin.

Was du zum Film wissen musst:
Die Regisseurin Felicia Bergström verleiht ihren Kurzfilmen eine spezielle Ästhetik: Sie verwendet analoge und handgemachte Animationstechniken, so auch in CYCLE OF VIOLENCE – PUPPY PLEASE!. Die Puppe ist aus Knete, der Film in Stop-Motion gedreht. Zudem verbindet sie ihre filmischen Arbeiten regelmäßig auch mit Virtual Reality, Kunstinstallationen und Live-Auftritten. – LR

Termin beim Festival of Animation Berlin 2026
Samstag, 10.10.2026, 22:30 Uhr, Horror Special II: Body Horror, silent green Kulturquartier, Kuppelhalle

MARVELOUS GIFT

Darum geht es:
In MARVELOUS GIFT existieren die Figuren in einer Gesellschaft, in der sie das ewige Leben geschenkt bekommen haben. Beim ersten Blick ein utopischer Gedanke, der Kritik auslöst. Die Figuren können nicht mehr an Alter, Krankheit oder Unfällen sterben. Das Leben verliert an Bedeutung und hält sie in einer Endlosschleife gefangen. Der Kurzfilm erinnert daran, wie unsere Sterblichkeit Momente des Lebens wertvoll macht.

Was du zum Film wissen musst:
Die Idee zu MARVELOUS GIFT hatte die Regisseurin Danna Galeano während der Corona-Pandemie. Die allgegenwärtige Angst vor dem Sterben brachte sie dazu, darüber nachzudenken, wie es wäre, unsterblich zu sein. – LR

Termin beim Festival of Animation Berlin 2026
Freitag, 09.10.2026, 22:30 Uhr, Horror Special I: Sci-Fi Horror, Kino Central

ALIKE KIN

Darum geht es:
Eine Stadt, ein hungriges Schmetterlingswesen und ein noch hungrigeres, kabeliges Spinnentier. So beginnt der faszinierende Stop-Motion-Film ALIKE KIN, der auf charmante Weise konstant Veränderndes darstellt.

Was du zum Film wissen musst:
ALIKE KIN (2024) ist ein sehr haptischer, etwas über vierminütiger Animationsfilm, der mit seinem natürlichen Flow, dem Knetmasse-ähnlichen Stil, der Stop-Motion-Technik und einer tollen Musik, die den Film nicht nur untermalt, sondern auch beschreibt, aufwartet. Letztere stammt von der faszinierenden Künstlerin Vitiko, die den Film auch auf der Audioebene vervollständigt. Animiert wurde der Film von den Zwillingsbrüdern Jannis und Michel Esselbrügge. Für das Color Grading zeichnete Johannes Brugger verantwortlich.

ALIKE KIN läuft beim Festival of Animation im Filmprogramm Horror Special II, was verwirrend anmutet – ist er doch wunderschön und in keinster Weise zum Fürchten. Vielleicht möchte man nicht unbedingt Teil dieser Verwandlungen werden, aber das Ansehen und -hören tut unendlich gut. Bleibt zu hoffen, dass dieses talentierte, kreative Team seinen Weg weiter gehen wird – ob gemeinsam oder individuell. Absolute Empfehlung! – MG

Termin beim Festival of Animation Berlin 2026
Samstag, 10. Oktober, 22:30 Uhr, Horror Special II: Body Horror, silent green Kulturquartier, Kuppelhalle