„God Help The Girl“ von Stuart Murdoch


Regisseur Stuart Murdoch ist Sänger der schottischen Indie-Band Belle and Sebastian und feiert mit "God Help the Girl" sein Filmdebüt. Foto: FINDLAY PRODUCTIONS LIMITED 2012

Regisseur Stuart Murdoch ist Sänger der schottischen Indie-Band Belle and Sebastian und feiert mit „God Help the Girl“ sein Filmdebüt. Foto: FINDLAY PRODUCTIONS LIMITED 2012

Singin‘ in Glasgow

Eve (Emily Browning, „Sucker Punch„) ist depressiv, isst nicht und schläft nicht. Der einzige Lichtblick in ihrem tristen Alltag, den sie in einem Glasgower Krankenhaus verbringt, ist Musik. Ermutigt von ihrer Psychologin beginnt sie, ihre Gefühle in eigenen Songs auszudrücken. Und „God Help The Girl“ wäre kein Musikfilm, wenn ihr das nicht ziemlich gut gelingen würde. Singend bricht das junge Mädchen aus dem Krankenhaus aus und taucht ein in einen Glasgower Sommer, der ihr Leben verändern wird. Das liegt vor allem an der Bekanntschaft mit dem Herzblut-Musiker James (Olly Alexander, Frontsänger der „Years & Years“) und seiner Musikschülerin Cassie (Hannah Murray, „Games Of Thrones„). James verliebt sich Hals über Kopf in die schöne, depressive Eve, die kurzerhand in seine WG zieht. Wie sehr sich James nach der talentierten Sängerin verzehrt sprießt ihm aus jeder Pore – wunderbar auf die Spitze getrieben in dem Song „Pretty Eve In The Tub“ (zu Deutsch „Hübsche Eve in der Wanne“): „Please allow me to scrub, please allow me to rub […] dry you gently, dress you tenderly“ („Bitte lass mich dich schrubben, bitte lass mich dich abreiben […] dich sanft abtrocken, dich zärtlich anziehen“).

Dennoch wird der schlaksig-nerdige Träumer Kopf der kleinen Band, zu der sich Eve, James und Cassie entwickeln. Zumindest stellt Cassie bei einem gemeinsamen Paddelausflug fest: „Sowas machen nur Bands. Tagesausflüge, Kanu fahren.“ Fortan wirbeln die drei Jugendlichen durch ihr Glasgow, trällern an jeder Ecke einen passenden Song, casten Musiker und feiern sich und ihre Musik. Um Eves seelische Situation ist es mal mehr, mal weniger schlecht bestellt. Der zunehmende musikalische Erfolg und die Freundschaft zu James und Cassie geben ihr Kraft, beschützen sie jedoch nicht vor Abstürzen.  Am Ende ist sie es, die sich mehr Struktur wünscht, eine konkrete Perspektive.  Mit diesem Wunsch entfernt sie sich von Cassie und vor allem von James. Ein Sommer geht zu Ende.

Regisseur Stuart Murdoch bringt selbst jede Menge Musikerfahrung mit – er ist Gründer und Frontsänger der Indie-Pop-Band Belle & Sebastian. Bereits seit 2003 schwirrte ihm der Gedanke an einen selbstproduzierten Musikfilm um eine Girl-Band sowie deren erster Song im Kopf herum, die Idee zu den drei Hauptcharakteren nahm Gestalt an. Drei Jahre später begann er, ein Skript zu schreiben und Sängerinnen zu casten. Nach langer Suche entdeckte er Catherine Ireton als passende Frontsängerin für seine Songs. Das erste „God Help The Girl“-Album wurde 2009 erfolgreich veröffentlicht. Für den geplanten Film die ideale Besetzung – junge Schauspielern mit Tanz- und vor allem Singtalent – zu finden, war eine größere Herausforderung. Deshalb startete Murdoch bereits zwei Jahre vor Produktionsbeginn, 2010, das Casting für die drei Hauptrollen Eve, James und Cassie.

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