“Get Out” von Jordan Peele


Bedrohung und Horror entspringen in “Get Out” nicht dem eigentlichen Twist des Films, über den an dieser Stelle der Mantel des Schweigens gelegt werden soll, sondern entstammen einer viel tiefer gehenden Ebene. Es geht um soziale Gefüge und das menschliche Miteinander. Von Anfang an spielt der Film mit der Metapher des “Aliens“, einer Existenz, die in einer fremden und bedrohlichen Welt gestrandet ist. Ein Gefühl, dass der Zuschauer schnell mit Chris teilt. Regisseur und Drehbuchautor Jordan Peele ist es im höchsten Maße anzurechnen, dass er es durch seinen gesamten Film hinweg schafft, selbst Zuschauern ohne Rassismuserfahrungen einen Eindruck davon zu vermitteln, wie es sich anfühlt als Schwarzer alleine unter Weißen zu sein. Der durchweg gut besetzte Cast setzt dem Ganzen die Krone auf.

Peele verdeutlicht mit “Get Out“, dass Rassismus sich nicht nur am Rande der Gesellschaft abspielt, sondern auch noch immer ein Problem der Mitte ist. Horrorfilme eignen sich ähnlich wie Komödien perfekt für sozialpolitische Kommentare und Peele weiß geschickt das Beste aus beiden Welten für seine Sache zu nutzen. Immer wieder entlockt er dem Publikum Gelächter ob der teils naiven aber doch verletzenden Fragen der älteren Partygäste, welches jedoch von einem unangenehmen Schauer begleitet wird. Diese Mischung aus Satire und einer spürbaren aber zeitgleich diffusen Bedrohung ist eine Stärke des Films. Seine Expertise im Bereich der Comedy, die er als Schauspieler im amerikanischen Fernsehen erwarb, verknüpft der Regisseur in seinem Drehbuch gekonnt mit seiner Liebe für den klassischen Horrorfilm, nur um dem Gemisch am Ende seine eigene Note hinzuzufügen, die “Get Out” veredelt.

Get Out” ist als Film eindeutig ein Kind seiner Zeit. Immer wieder erreichen uns Nachrichten aus den USA über Polizeigewalt gegen Schwarze, das Aufstreben der Black Lives Matter Bewegung und eine neue kulturelle Bewegung von schwarzen Künstlern, die endlich ihre Geschichten erzählen wollen, abseits der vorgefertigten Wege und Konventionen, um ihre Lebenswelt mit der Welt zu teilen. Die Klasse und der Erfolg von “Get Out” sind Hollywood hoffentlich ein Zeichen schwarzen Filmschaffenden endlich die Aufmerksamkeit zu schenken, die sie verdienen.
Mit “Get Out” ist Peele einer der interessantesten Filme gelungen, die das Genre in den letzten Jahren hervorgebracht hat. Ein Horrorfilm, der ebenso bissig wie komisch daherkommt und definitiv im Gedächtnis bleibt, auch noch lange nach dem Kinobesuch.

Paul Lufter

Get Out“, Regie: Jordan Peele, Darsteller/-innen: Daniel Kaluuya, Allison Williams, Catherine Keener, Bradley Whitford, Caleb Landry Jones, Stephen Root, Kinostart: 4. Mai 2017

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1. Mai 2017 | In Allgemein | Keine Kommentare »

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