Klassenraum ins Kino


"Barfuß auf Nacktschnecken": Zwei Schwestern lernen sich kennen. Foto: Alamode

"Barfuß auf Nacktschnecken": Zwei Schwestern lernen sich kennen. Foto: Alamode

Seit Anfang September tourt das französische Jugendfilmfest Cinéfête durch die deutschen Lande. In Berlin und Potsdam macht die mittlerweile 13. Ausgabe vom  22. November bis 5. Dezember Halt.  Gezeigt werden sieben französische Filme in Originalversion mit Untertiteln.

Neben kindgerechtem Humor und Spaß schneidet die diesjährige Cinéfête-Auswahl vor allem ernste Themen an. „Besonders prägnant ist die Frage der gesellschaftlichen Ausgrenzung, verbunden mit einem Aufruf zur mehr Toleranz, Menschlichkeit und Freude bei der Begegnung mit dem Anderssein.“, erklären die Festialmacher dazu. So verbindet „Leon und die magischen Worte„, ein Zeichentrickfilm von Dominique Monféry, eindringlich den Zauber beliebter Märchen mit der Abenteuerlust, die in jedem Kind, und besonders in Leon, steckt. „Nur weil es eine Geschichte ist, heißt es nicht, dass sie nicht wahr ist“ steht auf einer Tafel in der Bibliothek, die der siebenjährige Leon von seiner Großtante geerbt hat. Doch Leon muss noch lesen lernen, um die Märchengestalten aus den Erzählungen zu retten, die plötzlich quicklebendig vor ihm stehen. „Leon und die magischen Worte“ überrascht durch fantasiereiche Einfälle, eine originelle Geschichte und einen reduzierten Zeichenstil, der sich stark von den üblichen Bilderwelten aktueller Hollywood-Animationen abhebt.

Mit „Adèle und das Geheimnis des Pharaos“ findet sich auch Luc Bessons erste Verfilmung der Comic-Serie „Les Aventures extraordinaires d’Adèle Blanc-Sec“ des Künstlers Jacques Tardi im Programm. Der in Frankreich äußerst erfolgreiche Comic richtet sich eigentlich an eine ältere Leserschaft, Besson orientiert sich mit seiner Verfilmung allerdings an einem kindlichen Publikum und entnimmt der Geschichte einige „gewaltätige“ Sequenzen, was die Abenteuer der Schriftstellerin Adele Blanc-Sec aus Sicht von Erwachsenen durchaus glättet, für Kinder aber nicht minder spannend ist.

Für „No et moi“ wählte die Schauspielerin und Regisseurin Zabou Breitmann Paris als Kulisse. Der Film, nach dem französischen Bestseller von Delphine de Vigan, zeigt durch die Augen einer 13-Jährigen, wie hart die Pariser Realität als Obdachlose sein kann.  Zwischen Drama und Komödie pendelt „Barfuß auf Nacktschnecken“ mit Diane Kruger in der Hauptrolle. Hier lässt sich Clara (Diane Kruger) peu à peu in die unorthodoxe Welt ihrer Schwester Lily, gespielt von Ludivine Sagnier, hineinziehen. Lily, bereits 20 Jahre alt, will nämlich nicht erwachsen werden. Auch nach dem Unfalltod der Mutter verhält sie sich bei der Trauerfeier entgegen jeder Norm. Sie futtert, was das Zeug hält, beleidigt und verscheucht die Gäste. Ihre ältere Schwester Clara, eine bürgerliche Juristengattin, nimmt sich eine Auszeit, um Lily zu betreuen, doch die provoziert munter weiter, sammelt etwa tote Tiere und fertigt eifrig Pelzpantoffeln. Ein Film, der nicht nur Kinder und Jugendliche amüsieren sollte.

MD

Cinéfête, 22. bis 28. November im Kino Moviemento und Filmmuseum Potsdam, 29. November bis 5. Dezember im Passage Kino Neukölln, Kino Capitol Dahlem und Filmtheater am Friedichshain, Programm unter www.institutfrancais.de

19. November 2012 | In Cinéfête

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