„Wer internationale Filme zeigt, interessiert sich für die Welt und für die Interaktion mit ihr.“ – Frédéric Jaeger, Leitung Programmorganisation Internationales Filmfestival Mannheim-Heidelberg


Welche Bedeutung hat die regionale Einbindung des Festivals? Welche Ziele setzen Sie sich in Bezug auf überregionale und internationale Ausstrahlung?

Frédéric Jaeger, Leitung Programmorganisation und Kurator "On the Rise" © Sebastian Weindel

Frédéric Jaeger, Leitung Programmorganisation und Kurator „On the Rise“ © Sebastian Weindel

Frédéric Jaeger: Das Internationale Filmfestival ist für die Region mindestens so wichtig wie die Region es für das Festival ist. Ein Festival in zwei Städten zu machen, die so unterschiedlich, so bedeutend und so kosmopolitisch sind, ist gleichzeitig Chance und Auftrag. Die Diversität, die uns jeden Tag in diesen Städten begegnet, ist eine, die wir auch im Kino suchen. Insofern lässt sich das eine gar nicht ohne das andere denken. Wer internationale Filme zeigt, interessiert sich für die Welt und für die Interaktion mit ihr. Insofern ist es uns sehr wichtig, dass wir auch auf ein internationales Programmteam setzen können und das Festival sich immer weiter vernetzt. Das ist auch ein Grund, warum wir das Cutting Edge Talent Camp in diesem Jahr etabliert haben, als eine Brücke zwischen deutschen Talenten und internationalen Expert*innen.

Mit welchen anderen Festivals, glauben Sie, konkurrieren Sie insbesondere? Welcher Maßnahmen bedürfe es, um sich eine entsprechende Stellung zu sichern?

SK: Ich denke nicht in Konkurrenzen. Die meisten Festivals verfolgen das Ziel, besonderen Filmen eine starke Sichtbarkeit zu vermitteln. Das sind häufig Filme, die es im regulären Kinobetrieb schwerer haben, ihr Publikum zu finden. Filme, die auf besondere Art und Weise moderiert und kuratiert werden müssen. Das können wir leisten. In meinen Augen ist es dann auch nicht so entscheidend, wer diese Filme zuerst zeigt. Je mehr Festivals gut kuratieren, umso besser. Unser erstes Jahr war geprägt vom Aufbau vieler Allianzen. Wir sind in intensivem Austausch mit regionalen, bundesweiten und internationalen Kolleg*innen. Die kommenden Jahre werden, glaube ich, eher von Partnerschaften geprägt sein. Da stärkt man sich dann gegenseitig. Wir möchten gerne unseren traditionellen Ruf, Talente zu entdecken und zu fördern, bestätigen und ausbauen. Dafür konnten wir in diesem Jahr einen exzellenten Grundstein legen, denn in unserem Wettbewerb ON THE RISE tummeln sich nur so die Talente. Von den 11 Debütant*innen werden wir sicherlich noch viel sehen und hören, sie stehen für die Zukunft des Kinos.

FJ: Es gibt cinephile Verbindungen etwa nach Hamburg, München, Leipzig, Köln und Berlin, diskursive nach Duisburg und Oberhausen, die Liebe zum Experiment teilen wir mit Festivals wie dem Underdox und dem Transit Filmfest. Aber das sind nur wenige Beispiele. Tatsächlich macht es großen Spaß im Rahmen der von uns mitgegründeten AG Filmfestival gemeinsam mit den Kolleg*innen von Festivals aus dem ganzen Land über die Zukunft nachzudenken. Da geht es auch mal heiß her und es wird kontrovers diskutiert, weil alle sehr leidenschaftlich fürs Kino eintreten.

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