„Wer internationale Filme zeigt, interessiert sich für die Welt und für die Interaktion mit ihr.“ – Frédéric Jaeger, Leitung Programmorganisation Internationales Filmfestival Mannheim-Heidelberg


Gibt es Filmproduktionen oder -regionen, die Sie besonders überrascht oder inspiriert haben?

SK: Das iranische Kino war in diesem Jahr auffällig stark, auch aus Südamerika gab es viele aufregende Optionen. In Bezug auf unsere Retrospektive war es spannend, bestätigt zu sehen, wie reichhaltig auch das gegenwärtige französische Kino ist.

FJ: 2020 war ein sehr besonderes Jahr, weil durch die Verschiebungen in den Festival- und Startkalendern viele bereits angekündigte Filme weiter auf sich warten lassen. Das Tolle daran ist, dass auf gewisse Weise dadurch auch etwas Platz entstanden ist für Filme, die sonst nicht immer so viel Aufmerksamkeit erhalten würden. Was sich im Programm des IFFMH spiegelt, ist eine allgemeine Entwicklung: 2020 ist das Jahr der Debüts, der ersten Schritte einer ganzen Riege vielversprechender Regisseur*innen.

Still aus MARONA'S FANTASTIC TALE © Charades

Still aus MARONA’S FANTASTIC TALE © Charades

Wie würden Sie das Programm charakterisieren? Welche Höhepunkte stellen Sie heraus?

SK: Das Programm verdeutlicht ganz gut, wo wir hinwollen. Da gibt es sehr unterschiedliche im besten Sinne eigenwillige Stimmen. Filmemacher*innen, die für ihre Projekte die genau richtige Filmsprache gefunden haben. Bei den jungen Filmemacher*innen einzelne Filme herauszustellen wäre nicht fair. Bei den etablierten Regisseuren darf man sicherlich Frederick Wiseman hervorheben, der eng mit unserem Festival verbunden ist. Sein CITY HALL ist ein großer Film und ein wichtiges Dokument in Zeiten großer politischer Instabilität in den USA.

FJ: Wenn man im Nachhinein auf das Programm blickt, ergeben sich gewisse Verbindungen, die letztlich die Auseinandersetzung der Filmschaffenden mit der „conditio humana“ ausdrücken, ein roter Faden ist der Feminismus, ein anderer ist die Auseinandersetzung mit dem Tod in Filmen wie dem Mutter-Tochter-Drama ASIA, dem bunten Animationsfilm MARONA’S FANTASTIC TALES in unserem Kinderfilmfest, unserem Eröffnungsfilm THE DEATH OF CINEMA AND MY FATHER TOO und der hoffnungsvollen italienischen Vater-Sohn-Tragödie UNA PROMESSA. Eine andere Verbindung, die weniger dem Zufall geschuldet ist, dürfte die große Empathie sein, die viele Filme ihren Sujets und Figuren entgegenbringen. Darauf haben wir es durchaus angelegt.

Die Fragen stellte Teresa Vena.

Das Internationale Filmfestival Mannheim-Heidelberg findet online vom 12. bis 22. November. Mehr Infos auf der Festivalseite.

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