Rückblick 38. Filmfest Dresden: Einblicke in die Vielfalt spannenden Filmschaffens


Zum besten Animationsfilm gekürt: PARADAÏZ © Matea Radic, National Film Board of Canada
Zum besten Animationsfilm gekürt: PARADAÏZ © Matea Radic, National Film Board of Canada

Bereits zum 38. Mal fand das Filmfest Dresden in diesem Jahr statt, vom 14. bis 19. April. Beim Filmfest Dresden handelt es sich um ein internationales Kurzfilmfestival, das mit
einem für ein Kurzfilmfestival vergleichsweise hohen Preisgeld aufwarten kann. Das Filmfest gibt es seit 1989. Es hat mittlerweile zahlreiche Spielstätten, die sich bestens für ein Filmfestival eignen. Allen voran die Schauburg, in deren größtem Saal „Leone“ auch die Festivaleröffnung und die Preisverleihung stattfanden.

Insgesamt besuchten in diesem Jahr über 21.400 Besucher:innen das Festival. Der chinesische Filmemacher Popo Fan, steuerte in diesem Jahr den wunderbar-witzigen Festivaltrailer bei, in dem er tanzend in Küchensituationen zwischen Gemüse und in der Suppe zu sehen ist. Hier wird etwas gebraut, auf das man sich freuen kann: ein starkes, diverses, ernsthaftes Festivalprogramm mit humorvollen Zwischentönen. Das Besondere am Filmfest ist auch der politische Fokus, der sich durch alle Ebenen des Festivals zieht. In diesem Jahr stand das Thema „Arbeit – Work in Progress“ im Mittelpunkt. Der Fokus war teils subtil, blitzte aber neben den Sonderprogrammen auch im Filmprogramm immer wieder auf, etwa im eindrücklichen Film L’MINA (Frankreich, Marokko, Katar, Italien, 2025) von Randa Maroufi. Der Film handelt vom Schicksal der marokkanischen Bergbaustadt Jerada und stellt den illegalen Kohleabbau, der dort (notgedrungen) stattfindet, sehr plastisch dar. Daneben gab es ein Begleitprogramm, das sich dem Thema „Arbeit“ widmete, wie etwa das Erzählcafé „Arbeitskleid Kittelschürze“ im Museumscafé des Stadtmuseums Dresden.


Neben dem offiziellen Filmprogramm gab es also auch ein spannendes Begleitprogramm. Dazu gehörte unter anderem auch die Ausstellung und das Filmprogramm „THE CURRENCY LAB – Recht und Ordnung“, in dem unter anderem drei sozialkritische Installationen gezeigt wurden. In SENSING 2 LADIPO (2025) der Filmemacher Elom 20ce, Musquiqui Chihying und Gregor Kasper wird eine Person in traditioneller Egungun-Kostümierung gezeigt, die sich durch Ladipo, Westafrikas größten Markt für gebrauchte Autoersatzteile in der nigerianischen Metropole Lagos, bewegt und mit Mikrofonen die Klänge des Marktes erforscht. Egungun ist ein traditionelles Medium der Yoruba, das als Maskentänzer in einem Ritual auftritt und dabei einen Ahnen verkörpert, von dem es besessen ist. In THE GUESTBOOK (2019) von Musquiqui Chihying und Gregor Kasper sehen wir den Togolesen Dodo, der durch das moderne Berlin läuft und auf Relikte der deutschen Kolonialgeschichte trifft. Der musiklastige Kurzfilm UMOJA (2023) von Elom 20ce beschäftigt sich sich in drei Akten visuell und auditiv eindrucksvoll mit den Gründen und Konsequenzen von Gewalt und Widerstand. Diese Ausstellung, die sich nicht am eurozentrischen Blick orientiert, war eine wunderbare Bereicherung für das Festival.

Als Bester Internationaler Kurzfilm ausgezeichnet: WATER SPORTS © Whammy Alcazaren
Als Bester Internationaler Kurzfilm ausgezeichnet: WATER SPORTS © Whammy Alcazaren

Beim Dresdner Filmfest gibt es zahlreiche Auszeichnungen. So erhielt der philippinische Film WATER SPORTS (2024) von Whammy Alcazaren den Goldenen Reiter für den besten internationalen Kurzfilm. WATER SPORTS ist in seiner Machart außergewöhnlich: campy, romantisch und humorvoll, obwohl es inhaltlich um den puren Existenzkampf in einer Dystopie geht. Außerdem gewann der kanadische Film PARADAÏZ (2025) von Matea Radic den Goldenen Reiter für den besten Animationsfilm im internationalen Wettbewerb. Zudem wurde er mit einer lobenden Erwähnung der Jury für den „Voll politisch!“-Kurzfilmpreis für demokratische Kultur gewürdigt. Der Animationsfilm PROCRASTINATION YOGA (2026) von Paulina Martyna Ziolkowska, der seine Weltpremiere beim Dresdner Filmfest feierte, gewann den Goldenen Reiter für den besten Animationsfilm im nationalen Wettbewerb.
Vielleicht kann man nicht mit jedem Gewinnerfilm etwas anfangen, hat andere Favoriten, aber dafür gibt es den Publikumspreis. Hier darf das Publikum Jury sein und seinen Favoriten küren. Und das Publikum erwies sich wieder einmal als treffsichere Jury: Im Mitteldeutschen Wettbewerb wurde etwa der eindringliche, ehrliche und humorvolle Kurzfilm COLD CALL (Deutschland, 2025) zum Gewinner gewählt. Darin trifft eine Künstlerin mit Blockade auf einen empathischen indischen Telefonscammer und beginnt dabei, über Telefon-Scamming zu reflektieren.


Besonders erwähnenswert ist auch der Filmpreis LUCA, der ein Spotlight auf Geschlechtergerechtigkeit wirft. Hier konnte EL REGALO (Spanien, 2025) von Lara Izagirre Garizurieta gewinnen. Der Film thematisiert nicht nur Geschlechtergerechtigkeit, sondern vor allem auch rassistische Vorverurteilungen, die unsere Gesellschaft tief durchziehen. Die intelligente Machart des Films ist fesselnd, aufwühlend und kraftvoll.
Zum 16. Mal luden die FFA und German Film außerdem zum „Short Tiger: Next Generation“ ein. Hier sollen junge nationale Regietalente und Filmstudierende eine Plattform erhalten.
Daneben gab es auch ein breites Kinder- und Jugendprogramm sowie ein Open-Air-Kino auf dem Schlossplatz, das in diesem Jahr besonders gut angenommen wurde, sicher auch dank des überwiegend guten Wetters während des Festivals. Mit 8.900 Gästen wurde ein Besucherrekord verzeichnet.
Wer sich schon auf das kommende Jahr freut: Es wird vom 13. bis 18. April 2027 stattfinden.