„Maggie’s Plan“ von Rebecca Miller


Maggie und John im Park beim fiktokritischen Gehirnjogging. Jon Pack © Hall Monitor, Inc.

Maggie und John im Park beim fiktokritischen Gehirnjogging.
Jon Pack © Hall Monitor, Inc.

Rebecca Miller („The Private Lives of Pippa Lee“), eher bekannt für die dramatischeren Töne in ihren vorherigen Filmen, wird sukzessive „ein bisschen leichter“, wie sie sagt. Schon „The Private Lives of Pippa Lee“ hatte einige komische Elemente, doch „Maggie’s Plan“ ist eine Punktlandung in Sachen New York-Romantik-Comedy, garniert mit überzeichneten Lebensweisheiten und Seitenhieben auf die Neuordnung der Geschlechterrollen. Hier bekommt der infantile Familienvater und Ehemann ebenso sein Fett weg, wie die häufig wenig impulskontrollierten, dafür aber sehr fähigen Super-Mommys. Verspielt wie der frühe Woody Allen und mit viel Ironie porträtiert die Regisseurin und Drehbuchautorin in ihrem fünften Spielfilm die 30-Somethings und Plus als die Stadtneurotiker der Gegenwart, die sich philosophierend in Fragen, die die Welt nicht braucht, erschöpfen.

Miller hat sichtlich Spaß, Menschen ganz besonders in ihren Beziehungskisten, Attitüden und egozentrischen Multiversen zu beobachten und daraus leicht überzogene aber liebenswerte Figuren zu schustern. Der gesamte Film lebt von seinen überdrehten, selbstsüchtigen Charakteren und vor allem von ihren zuweilen spleeningen und oft spöttischen, leicht hysterischen Dialogsalven. Dieser Verdienst kommt nicht zuletzt dem fantastischen Cast aus Greta Gerwig („Francis Ha“), Ethan Hawke („Boyhood“) und Julianne Moore („Still Alice„) zu. Gerwig ist die chaotische Titelheldin wieder einmal auf den Leib geschneidert. Im Q&A zur Weltpremiere auf dem Toronto-Filmfestival bezeichnete Miller die Schauspielerin als „ungewöhnliche und einzigartige Person“. Ihre „Mischung aus Intelligenz, Unschuld und Timing“ war es, die Maggie brauchte, um „bei allem, was sie macht, liebenswert zu bleiben“. Aber auch bei Julianne Moore und Ethan Hawke spürt man die hingebungsvolle Spielfreude und Liebe zu ihren urkomischen Figuren –  einerseits die überambitionierte und exaltierte Georgette mit ihrem stark dänischen Akzent, andererseits der devote und jungenhaft verträumte Ehemann John mit Tunnelblick für die eigene Welt. Zusammen sind die drei wohl das zauberhafteste Trio Infernal der diesjährigen Berlinale.

SuT

Maggie’s Plan„, Regie: Rebecca Miller, DarstellerInnen: Greta Gerwig, Ethan Hawke, Julianne Moore, Travis Fimmel, Bill Hader, Maya Rudolph, Kinostart: 4. August 2016

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