„United States of Love“ von Tomasz Wasilewski


Tomasz Wasilewski versammelt in "United States of Love" das Who is Who des polnischen Films: Łukasz Simlat, Michał Grzybowski, Magdalena Cielecka, Marta Nieradkiewicz, Julia Kijowska (v.l.n.r.). © Oleg Mutu

Tomasz Wasilewski versammelt in „United States of Love“ das Who is Who des polnischen Films: Łukasz Simlat, Michał Grzybowski, Magdalena Cielecka, Marta Nieradkiewicz, Julia Kijowska (v.l.n.r.). © Oleg Mutu

Gefangen zwischen Plattenbauten

Tomasz Wasilewski, bekannt geworden durch „Floating Skyscrapers“ (2013), war 2016 mit „United States of Love“ im Wettbewerb der Berlinale vertreten und gewann einen Silbernen Bären für das beste Drehbuch. „Ich muss mehr schreiben“, so das Statement des jungen Regisseurs mit der markanten schwarzen Brille und man kann ihm eigentlich nur zustimmen: die fein nuancierten Dialoge von „United States of Love„, die mit dem Ausgelassenen spielen, das oft wichtiger ist als alles Gesagte, machen Lust auf mehr.

Die Szenerie des Films ist ein Ort in der polnischen Provinz, die Zeit die frühen Neunziger Jahre. In der Anfangsszene öffnet sich der Vorhang und offenbart ein Abendessen, bei dem einige der aktuell besten polnischen Schauspieler versammelt sind: Łukasz Simlat, Michał Grzybowski, Magdalena Cielecka, Marta Nieradkiewicz und Julia Kijowska; darüber hinaus spielen Andrzej Chyra, der in gefühlt allen wichtigen polnischen Filmen der letzten Jahre vertreten war, und Dorota Kolak.
Beim Abendessen sprechen sie über Freunde, die seit Jahren in Deutschland arbeiten und Wrangler-Jeans nach Polen schicken, über die Fanta, die jetzt bei ihnen im Kühlschrank liegt, sie trinken Eierlikör und an der Wand hängt ein flauschiger Teppich. Wir befinden uns in einem Polen kurz nach der Öffnung des Eisernen Vorhangs. Manche träumen von persönlichem Erfolg, die meisten hängen in der Perspektivlosigkeit fest und sind mehr mit sich selbst beschäftigt als mit ihrer Umgebung. Sie leben in einer sozialen und geografischen Ödnis, in der es kaum mehr gibt als Kirche, Schule und Krankenhaus. Der Titel könnte auf die damaligen wirtschaftlichen Veränderungen anspielen: der Kapitalismus fing an, Wurzeln zu fassen.

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