71. Berlinale: THE FAM (OT: LA MIF) von Fred Baillif – Grand Prix Generation 14plus


Still aus LA MIF von Fred Baillif © Stéphane Gros / Lumière Noire

Still aus LA MIF von Fred Baillif © Stéphane Gros / Lumière Noire

Familie mit Hindernissen

Ein Film, der in einem Kinder- oder Jugendheim spielt, ist spätestens seit Nora Fingscheidts großartigem SYSTEMSPRENGER, den sie auf der Berlinale 2019 vorstellte, kein ganz ungewöhnliches Thema mehr auf der Leinwand. Während sich Fingscheidt hauptsächlich auf die kleine Benni, herausragend gespielt von der kürzlich für einen Golden Globe nominierten Helena Zengel, konzentriert, legt Fred Baillif in seinem Spielfilm THE FAM den Fokus auf die Gemeinschaft in einem Jugendheim in der Schweiz, von den jungen Bewohner:innen „Fam“ bzw. im französischen Original „Mif“ genannt, was im Verlan, einer bekannten Pariser Jugendsprache, „Familie“ bedeutet.

Weiterlesen: Hier unsere Kritik „Das System sprengen“ zu SYSTEMSPRENGER

Die einzelnen Mitglieder dieser etwas anderen Familie stellt Baillif in nach der jeweiligen Person benannten, lose voneinander abgegrenzten Kapiteln seines Films vor. Da ist etwa Audrey (Anaïs Uldry), 17, die ihre Eltern bei einem Unfall verloren hat und bei sexuellen Handlungen mit einem 14-jährigen Heimbewohner erwischt wird, was die Polizei auf den Plan ruft und dazu führt, dass im Heim künftig nur noch Mädchen untergebracht werden sollen. Eine weitere Heimbewohnerin ist Novinha (Kassia da Costa), deren Mutter am Besuchswochenende nicht das geringste Interesse an ihrer Tochter zeigt und stattdessen lieber ausgeht.

Précieuse (Joyce Esther Ndayisenga) vertraut den anderen Mädchen an, von ihrem Vater sexuell missbraucht worden zu sein, Tamra (Sara Tulu) hat Angst, bald in ein Land abgeschoben zu werden, das sie kaum kennt, Alison (Amélie Tonsi) ist unglücklich in Caroline (Amandine Golay) verliebt und Justine (Charlie Areddy) belastet ein Ereignis, das sich in ihrer Herkunftsfamilie abgespielt hat. Und auch die so kompetente und erfahrene wie empathische und verletzliche Heimleiterin Lora (Claudia Grob) schlägt sich neben ihrer herausfordernden Arbeit mit privaten Problemen herum.

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